Das Projekt “Mensch!Westend” ist eine multikulturelle Stadtteilzeitung, die die Vielfältigkeit der dort lebenden Menschen als ein großes Potenzial wahrnimmt. Grundgedanke ist das harmonische Miteinander und die aktive Partizipation. Erdal Aslan, Chefredakteur und Leiter der Zeitung “Mensch!Westend”, erzählt in einem sehr spannenden und informativen Interview, wie die Idee zur Realität wurde.

Dies ist das siebte Interview einer Interviewserie, die wir mit den beliebtesten Teilnehmer-Projekten der Zahnräder Konferenz 2013 durchgeführt haben. 

Worum geht’s bei deinem bzw. eurem Projekt?
Die multikulturelle Stadtteilzeitung „Mensch!Westend“ widmet sich einem Thema, das jahrelang von deutschsprachigen Medien vernachlässigt worden ist: Menschen mit ausländischen Wurzeln als Leser und Macher zu gewinnen. Unsere in Kooperation mit dem Wiesbadener Kurier monatlich erscheinende Gratis-Zeitung versucht daher Migranten aus dem Wiesbadener Multikulti-Viertel Westend gezielt in die Berichterstattung einzubinden. Das heißt: Mindestens die Hälfte der Artikel handelt von ihren Themen, Problemen und Festen. Also von dem, was sie im Alltag beschäftigt. „Mensch!Westend“ ist aber keine Zeitung für Migranten, sondern für einen Stadtteil mit vielen Migranten (Anteil: knapp 50 Prozent). Uns geht es vor allem um das Miteinander: Die Menschen sollen mehr über sich und ihr Viertel erfahren – und sich eine Meinung darüber bilden, was in der Nachbarschaft vor sich geht.

Wie kann man euch unterstützen?/ Was braucht ihr?
Kritik, Feedback, Ideen oder Mitarbeit sind für jedes neu gestartete Projekt Gold wert - also bitte nicht zurückhalten! Darüber hinaus hilft schon die Bekanntmachung, das Weitererzählen oder zum Beispiel ein „Gefällt mir“ auf unserer Facebook-Seite weiter. Wir suchen zudem Mitarbeiter und Praktikanten, vor allem Menschen mit ausländischen Wurzeln aus der Region, die in den Journalismus reinschnuppern möchten. Und Menschen mit Verkaufstalent, die für „Mensch!Westend“ Anzeigen akquirieren und somit das wirtschaftliche Überleben sichern.

Was hast du von der Zahnräderkonferenz 2013 mitgenommen?
Mir waren die Meinungen der Teilnehmer immens wichtig. Ich habe bestimmt mindestens jeden zweiten Teilnehmer der Konferenz direkt angesprochen und die Idee vorgestellt. Ihr Feedback, ihre motivierenden Worte und Verbesserungsvorschläge sind in das Endprodukt eingeflossen.

Was hat dazu geführt, dass du deine Idee nach der Bundeskonferenz in die Realität umgesetzt hast?
Natürlich hat das positive Feedback der Konferenz-Teilnehmer eine wichtige Rolle gespielt. Darüber hinaus gab es weitere Faktoren, die zur Realisierung der Idee geführt haben: Unter anderem habe ich Interviews mit Experten geführt, wir haben ein Projektteam mit Vertretern verschiedener Abteilungen der Verlagsgruppe Rhein Main - zu der Mensch!Westend gehört - gegründet, um das bestmögliche Produkt zu kreieren. Auch hat die European Business School für uns die Wirtschaftlichkeit geprüft - mit dem Ergebnis, dass es einen Versuch wert ist.

Wie würdest du den Mehrwert der Konferenz beschreiben?
Auf der Zahnräder-Konferenz haben die Teilnehmer die Chance, ihre (auch noch nicht ganz ausgegorene) Idee, motivierten, kreativen und intelligenten Menschen zu präsentieren und deren Meinungen einzuholen. Zudem können sie üben, vor einem breiten Publikum eine Präsentation zu halten – und sich für die nächsten Male inspirieren lassen. Und natürlich ist das Netzwerken in der herzlichen Atmosphäre das große Plus der Konferenz. In der Berufswelt kann das eines Tages von großem Vorteil sein.

Wohin soll es gehen? (Ziele/Träume)
Unser Ziel ist es zunächst, „Mensch!Westend“ zu etablieren. Wir wollen erreichen, dass die Zeitung von allen Lesern, vor allem auch von Migranten angenommen wird. So dass sie weiterhin interessant für Anzeigenkunden bleibt - denn wir finanzieren die Zeitung nur über Werbung. Bisher sind wir auf einem sehr guten Weg. Doch wir wollen die Zeitung weiterentwickeln – und irgendwann weitere Viertel ins Auge fassen.

Was würdest du anderen Projekten/Startups mit auf den Weg geben?
Seid mutig, aber auch selbstkritisch, stellt euer Projekt so vielen Leuten wie möglich vor, habt keine Angst vor negativem Feedback oder Fehlern. Versucht Menschen aus ganz verschiedenen Milieus zu eurer Idee zu befragen. Investiert viel Energie in euer Projekt, denn ein neues Angebot/Produkt braucht Zeit, um Menschen zu erreichen – dessen muss man sich bewusst sein. Macht euch früh Gedanken, wie das Projekt finanziert werden kann. Und vor allem: Glaubt an eure Idee!

Was ist das Motto, das dich in deiner Arbeit motiviert?
Gib alles, was du hast und erwarte stets das Beste. Der Erfolg kommt schon irgendwann - nur Geduld.

Für weitere Informationen:
https://www.facebook.com/menschwestend