Direkt in Hessen und mitten in Wiesbaden liegt die multikulturelle Bezirksperle Deutschlands. Wiesbaden-Westend wird als eines der kleinsten Bezirke der hessischen Landeshauptstadt und gleichzeitig bevölkerungsdichtesten Stadtteile in Gesamtdeutschland verzeichnet. Über dem Bezirk scheint ein buntscheckiger Hauch zu liegen. Zwischen den international geprägten Ladenzeilen bewegen sich Menschen multinationalen Flairs. Die Fassaden Westends bergen verschiedenste Nationalitäten in sich, der Ausländeranteil des Bezirks beträgt um die 31%. Entgegen der etablierten Assoziation von Begriffen wie ausländerbesiedelt und kriminell-unruhig glänzt die multikulturelle Nische Wiesbadens mit einem idyllischen Gesellschaftsleben, wie sie für viele andere Ortsteile des Landes erstrebenswert ist. Der Flickenteppich Westends ist vielschichtig und mannigfaltig - auf ihr ruht etwas vom Balkan, ein wenig Osteuropa, ein großes Stück Deutschland. Und türkische und arabische Elemente verpassen dem Ganzen den passenden Orientstich. Der größte Anteil an Wiesbadens Studenten und Ausländern wohnt in Westend - dort leben sie ein friedliches und gleichermaßen farbenprächtiges Miteinander vor; ein schillerndes und doch in sich ruhendes Stück an hessischer Gemeinschaft.
Dass solch ein öffentliches Leben, geprägt und getönt durch gemischte kulturelle Strömungen viel zu spannend ist, als dass man es an sich vorbeiziehen lassen kann, ist wohl auch einer der Grundantriebe von Erdal Aslan gewesen, dem Redaktionsleiter der Stadtteilzeitung „Mensch!Westend“. Mit journalistischem Handwerk, seriöser Redaktionsführung auf der einen und frischem und modernem Anflug an leuchtender Vielfalt auf der anderen Seite schafft die Redaktion von Mensch!Westend einen plakativen Gegensatz zu der klassischen Lokalzeitung. Die Themenschwerpunkte schwimmen im selben lebhaften Spektrum, wie die Mentalität der Bewohnerschaft des gleichnamigen Ortes auch. Mal geht es um lokale Neuigkeiten rund um den Ort, mal um überregionale und internationale Geschehnisse, die vor allem aus politischem und soziokulturellem Aspekt sehr tiefgreifend sind. So berichtet beispielsweise eine Wiesbadener Bosniakin von ihren leibhaftigen Fluchterlebnissen, wie sie als 12-jähriges Mädchen auf Grund des Bosnienkrieges ihre Heimat verlassen musste. Auch der redaktionelle Leiter von Mensch!Westend Aslan greift selbst zum Stift und berichtet mit geballter Authentizität und Offenheit von den verschiedenen Zügen des muslimischen Fastenmonats Ramadan. In der Kolumnenecke meldet sich auch der Integrationsbeauftragte von Westend, Mustafa Akbulut zu Wort und gewährt Lesern einen kleinen und doch äußerst anregenden Einblick in die Wellritzstraße, die sich wohl durch die in den Gewürz-und Schmucksortiments auf den Straßen festgesetzte Atmosphäre der Türkei als das „kleine Istanbul“ Wiesbadens etabliert habe. Ein Klick entfernt lädt die Stadtteilmanagerin Ute Ledwoyt vom Kubis e.V. die Wiesbaden-Westendler zu einer langjährigen und traditionellen Verastaltungsreihe des Ortes ein.
Mensch!Westend schreibt viel und Mensch!Westend schreibt bunt. Es lässt zur Abwechslung mal die Reihe der Bürger sprechen, in verschiedenen Akzenten bildet sich ein klares Echo. Und es ruft, dass es gut ist, wie das Multikulti diesen Ort prägt und zu etwas ganz Eigenem formt. Eine im Takt der bunten Vielfalt aus der konventionellen Reihe tanzende Welt, so packend, dass sie Spuren hinterlässt und doch so friedlich, dass sie dabei nichts und niemanden anrempelt. Eine Stadtteilzeitung lässt all die Schönheiten von Diversität in Worte prasseln und leistet so eine unglaublich große Arbeit in einem doch so unglaublich kleinen Bezirk.

Wir gratulieren M!W herzlichst zum 3.Platz in der Kategorie Veterans!
Text: Büşra Delikaya Bild: © Mâşite Atik
