Unbenannt

Zappelige Hände, die eine womöglich unbeholfen einen angekauten Lolli oder eine klebrige Waffeltüte mit geschmolzenem Schokoeis haltend, die andere hingegen völlig griffig das für sie viel zu groß scheinende Smartphone umklammernd und mit den bekleckerten, aber zielsicheren Fingern gekonnt über den Touchscreen streichend.

Ein Schauspiel, das uns in den letzten Jahren im Alltag immer häufiger geboten wird; ob nun auf der Straße, in der Bahn oder auf Empirie basierende Beobachtungen im eigenen Heim. Ja, die Kleinsten unter uns sind nunmehr die Größten in puncto virtueller Kompetenz. Unbeirrt stolzieren Kinder der neuen Generation mit entschlossenen, kleinen Schritten in der digitalen Welt umher, leben ihren Entdeckergeist fleißig vor den leuchtenden Monitoren und transportablen Screens aus. Entgegen aller verschworenen Internetfeindseligkeit einer Vielzahl von Eltern, die von der Angst über den zunehmenden Kontrollverlust ihrer Kinder im Umgang mit der Cyberwelt geleitet, oftmals einen endgültigen Schlussstrich ziehen und Einschränkungen bis hin zu Verboten auftischen, sollte man doch bedenken: Das Internet hält viel Nützliches, ja sogar Bereicherndes für den Nachwuchs bereit. Neben interaktiven Spielen, die den Wissenserwerb der Kinder auf eine lockere Weise fördern, verweilen auch pädagogisch äußerst wertvolle Foren und Bildungsseiten im World Wide Web. Diese, am besten mit den Kleinen zusammen, ausfindig zu machen und sie ihnen als alternative Freizeitbeschäftigung vorzulegen, obliegt vor allem den Eltern und Lehrern selbst.

Doch die Kehrseite des Internets ist tatsächlich zu groß, als dass sie ignoriert oder in ihrer Gefahr kollektiv gemildert werden darf. Sie sind in jedem Fall da; schlechte Intentionen, die zwischen den Spieleseiten und Bildungsforen dämmern, ganz leicht von der kindlichen Naivität Gebrauch machen und sie auf eine negative Weise beeinflussen können. Die Palette ist leider breitgefächert: Versteckte Pädophilie, beängstigende Gewaltverherrlichung, fälschlicherweise religiös motivierte Radikalisierungsversuche, anstößige Werbeanzeigen. Manchmal sogar gezieltes, leibhaftiges Cybermobbing. Alles Bedrohungen, über die Eltern ungern nachdenken, wo doch ihre realen Züge nur einige Klicks von ihren Kindern entfernt sind. Solche Gefahren bedarf es aufzugreifen statt auszublenden, es gilt sie in den Bereich der Aufklärung zu ziehen statt in Ignoranz einzubetten.
Wer sich im Internet auf die Suche nach solchen präventiv gerichteten Arbeiten macht, wird nach einer Weile sehr wahrscheinlich auf eine lustige, grüne Banane - oder einen Halbmond, alles eine Sache der Interpretation - mit kleinen Sternchen an den Füßen stoßen, die einem fröhlich vom Monitor entgegenlacht. Die Plattform „grünebanane“ bietet Familien unzählige Materialien für das effektive Spielen, Lernen und Basteln des Nachwuchses an. So wird den Kleinen zum Beispiel der heilige Fastenmonat Ramadan, in dem wir uns nun befinden, auf spielerische Weise durch bunte Kalender oder originelle Geschenkideen näher gebracht. Ein überaus wichtiges Projekt des grünebanane-Teams heißt „Kinder und Medien – Das sollten Eltern wissen“ und wurde in unserer diesjährigen Bundeskonferenz vorgestellt.

Das Projekt dient zum Aufbau eines Medienmentorennetzwerkes. Dieses soll vor allem muslimische Eltern in ihrem Wissen über einen sicheren Umgang ihrer Kinder mit dem Internet, aber auch mit Spielekonsolen und Computern im Allgemeinen festigen und mit geballter Kompetenz bei den Schritten auf diesem relativ schwierigen Bereich unterstützen. Die Umsetzung dieser Hilfeleistung erfolgt dann durch professionelle Tipps wie zB Hinweise auf Geräte, die für die Kinder wirklich altersgerecht sind oder jegliche Form von nicht erwünschten Inhalten blockierende Softwares.

In vertraulicher Runde sollen all die Fragen und Antworten der Eltern bezüglich der schon lange präsenten Kinderseite des vielschichtigen Medienkomplexes Platz finden. Denn nur zu oft werden Kinder unbeobachtet zwischen die schwammigen Cybergrenzen gesetzt, und das ohne ein wirkliches Absichern dieser. Das Internet ist de facto Segen und Fluch zugleich. Dass Erwachsene beides zu spüren bekommen, sollte sie nicht davon abhalten letzteres den kleinen Surfern zu ersparen und sie ausschließlich mit den guten Seiten des Webs vertraut zu machen. Die grüne Banane ist für uns fast schon ein Emblem für die Verbindung von Spaß und Sicherheit im Netz der Kinder, dafür und für das außerordentlich bedeutsame Projekt danken wir grünebanane und beglückwünschen sie herzlich zum 2.Platz in der Kategorie Rookie.

Text: Büşra Delikaya Bild: © Tasnim Baghdadi