Aktiv: Saloua Mohammed

In unserer Reihe „Aktiv“ stellt Zahnräder regelmäßig herausragende muslimische Persönlichkeiten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vor.

Saloua Mohammed ist Friedens- und Menschenrechtsaktivistin sowie Mitbegründerin der Lifemakers Deutschland. Sie ist zudem eine beliebte Rednerin und fungiert in zahlreichen Communities als Vorbild für bürgerliches Engagement und Partizipation in Deutschland.

Sehr geehrte Frau Mohammed. Sie sind Friedens- und Menschenrechtsaktivistin. Wie kamen Sie zu Ihrer Arbeit?

Die Würde der Menschen zu wahren war schon immer im Fokus meiner Aktivitäten. Vor allem den mittellosen und unterdrückten Menschen ein Sprachrohr zu sein, welches nicht nur für ihre Rechte spricht, sondern sich auch tatkräftig für diese einsetzt, war und ist mein stetiges Ziel. Ich habe schon sehr früh angefangen, kleine und überschauliche Projekte mit meiner Familie oder mit Freunden umzusetzen. Darum, so glaube ich persönlich, wurde ich schon ziemlich früh auf sehr viele Missstände wie Armut, Abhängigkeit oder Gewalt aufmerksam. Es fing im Freundeskreis an. Da war z.B. häusliche Gewalt ein großes Thema. Nicht nur Freundinnen erfuhren diese, sondern auch Freunde, was mich immer sehr mitnahm. Ich stellte mir die Frage, ob das Mitgefühl gegenüber meinen Freunden genügt, oder ein Handeln von Nöten war. Ich entschied mich letztendlich für das zweite. Das prägte u.a. meinen Werdegang. Seitdem setze ich mich intensiv für die Menschenrechte, gegen häusliche Gewalt, gegen Diskriminierung und für den Frieden ein. Je älter ich wurde, desto größer wurde die Fläche, auf der ich tätig wurde. Heute setze ich mich sowohl zuhause in Deutschland, als auch im Ausland für den internationalen Frieden, gegen Rassismus und Diskriminierung, für die Völkerverständigung und vor allem für die Rechte der mittellosen, unterdrückten und kranken Menschen ein. Ich setze mich als Menschenrechtlerin und Friedensaktivistin für alle Menschen aller Coleur, ganz gleich welcher Herkunft, religiöser oder weltlichen Anschauung, ein.

 

Welche führenden Probleme sehen Sie innerhalb der Familien, den Communities und der muslimischen Jugend in Deutschland? Haben Sie im Rahmen Ihrer Arbeit Erfahrungen diesbezüglich gesammelt?

Prinzipiell weisen Familien und Communities meist dieselben Wehwehchen auf. Sie unterscheiden sich im Detail voneinander, sind jedoch im Großen und Ganzen fast identisch. Auch in der muslimischen Community haben Kinder und Jugendliche altersbezogene Probleme von Schule über Familienstimmung, bis hin zum Liebeskummer. Die muslimischen Kinder und Jugendlichen haben, im Gegensatz zu nichtreligiös erzogenen Kindern und Jugendlichen, zusätzlich noch eine Bürde zu tragen, indem ihnen sowohl von der Familie und der eigener Community, als auch von der sogenannten Mehrheitsgesellschaft abverlangt wird, so zu sein, wie jeder es sich gerade mal vorgestellt hat, und nebenbei noch ein Islamexperte zu sein, statt einfach nur ein Kind oder ein Jugendlicher. Sie werden von allen Seiten hin- und hergezerrt, bis sie am Ende nicht wissen: Bin ich muslimisch, bin ich deutsch, bin ich türkisch, bin ich arabisch oder bin ich nichtmuslimisch? Anstatt die Kinder Kinder sein zu lassen, und sie langsam und selbstbewusst an das ganze heranzuziehen, bevorzugen manche leider in unseren muslimischen Milieus die Crasherziehung in punkto Religion, und blenden manchmal total aus, dass dieses Kind, welches in Deutschland geboren und hier aufwächst ist, eine ganz andere Konstellation in sich trägt, als ein Migrant. Man fördert von Anfang an nicht das Selbstbewusstsein, welches dieses Kind in sich als gleichberechtigter, deutscher Bürger in sich tragen sollte, sodass man sich in der Pubertät immer mehr darauf fixiert, ein Ausländer mit deutschem Pass zu sein, weil man sich hier nicht angekommen fühlt. Das liegt natürlich nicht nur an der Diasporaerziehung der Kinder seitens der Eltern die einst nach Deutschland migrierten und an ihrer Religion und all den Traditionen festhalten, sondern auch verstärkt an der Wahrnehmung der Mehrheitsgesellschaft und ihrem Verhalten gegenüber diesen Kindern. Anstatt sie als die Kinder Deutschlands anzuerkennen, stigmatisiert man lieber und zeigt immer wieder deutlich auf: Ihr seid ihr, und wir sind wir. Das findet man nicht nur in der Gesellschaft, sondern, und dies bereitet mir persönlich Bauchweh, auch immer mehr an unseren Schulen. Einige LehrerInnen kommen immer noch nicht damit klar, dass die deutsche Gesellschaft auch Menschen in sich aufgenommen hat, die anders glauben, sich sogar anders kleiden, als dass, was man unter Deutschsein sonst immer verstand, diese jedoch trotzdem deutsche BürgerInnen und in Deutschland geboren und hier aufwachsen sind, deutsch sprechen und auch viele „deutsche“ Reflexe in sich tragen. Statt aus den Kindern und Jugendlichen einen einzigen Typus schaffen zu wollen, sollte man diese Diversität, die sie in sich tragen verstehen, annehmen und fördern. Denn letztenendes kann eine Lehrkraft nie aus einem Mohamed, einem deutschen Muslim mit marokkanischen Wurzeln, einen Max machen. Nicht vergessen möchte ich all die Lehrkräfte, die sich jeden Tag auf‘s Neue für diese Kinder und Jugendlichen, die es nicht immer einfach haben, einsetzen und ihnen immer wieder Mut zusprechen.

Was mich jedoch in der muslimischen Community als Muslimin permanent stört ist, dass sich einige dagegen sträuben, warum auch immer, Fragen und Umstände bei den Jugendlichen aus der muslimischen Community wahrzunehmen und diese mit Feingefühl, Achtung und Wissen zu klären, die eben doch einen „harten Brocken“ darstellen. Man nehme die persona non grata unter den Themen: Die Homosexualität. Ein:“ Haram, und geh jetzt gefälligst anständig leben!“, reicht absolut nicht und ist den Jugendlichen, die vielleicht auch davon Betroffen sein könnten, nicht fair gegenüber. Man spricht ihnen somit jegliche Intelligenz ab und nimmt ihre Fragen, Gedanken, Sorgen oder auch Ängste nicht wahr. Man verschließt auch seine Augen vor den Jugendlichen, die homosexuell und muslimisch sein wollen. Ich möchte hier keine islamische Jurisprudenz anfechten. Wie alle monotheistischen Religionensgemeinschaften zu diesem Thema stehen, ist mir bewusst. Es geht hier auch nicht um eine Legitimierung. Es geht mir hier um den menschlichen Umgang mit den Betroffenen. Dann hat man solch eine Gruppe von Jugendlichen. Meine Frage an all die Kritiker: Was macht man dann mit diesen? Sie einfach auf der Strecke liegen zu lassen empfinde ich als unverantwortlich und feige, denn man macht es sich somit zu einfach.

Die muslimische Community kann sich solch Themen und Fragen öffnen, und braucht keine Angst zu haben. Manchmal können Jugendliche und Heranwachsende einem die Sprache verschlagen, indem sie Fragen oder Meinungen äußern, die man vielleicht aus Schamgefühl oder Angst nicht selber stellen könnte oder möchte. Das kann man versuchen nachzuvollziehen, da dies auch mit der Erziehung und den Traditionen der älteren Generationen zusammenhängt. Jedoch darf man durch das Schweigen oder Abwürgen solch eine Intelligenz und einen Mut nicht im Keime ersticken lassen, nur weil man in Wahrheit gar keine oder nur die 08/15-Antwort parat hat, die die Jugendlichen mit Kopfschütteln abweisen.

Ein starker Glaube erträgt auch die schärfsten Kritiker. Das sollte das Credo der muslimischen Community sein. Stattdessen konzentriert man sich lieber darauf, wen man als nächstes als Ungläubigen betitelt, ob es erlaubt ist als Frau überhaupt vor Versammlungen zu sprechen und welcher öffentlichen Person man dieses Mal wieder das Wort im Munde verdreht, um diese bloßzustellen. Und das ist absolut nicht die Botschaft einer spirituellen, liebevoll und friedlich gesinnten Religion.

 

Welche Verantwortung tragen Muslime im Hinblick auf Menschenrechte und „sozialer Gerechtigkeit“? In einigen - sehr wenigen - muslimischen Kreisen herrscht der Gedanke, dass Engagement für die Rechte der nichtmuslimischen Mehrheitsgesellschaft falsch sei. Stimmen Sie dazu?

Muslime haben dieselbe Verantwortung im Hinblick auf Menschenrechte und sozialen Engagement, wie andersgläubige und -denkende. Auch Muslime sollten lernen, sich und andere erst einmal als Menschen wahrzunehmen. Denn zu denken, als Muslim so oder so auf der Siegerseite zu stehen, ist fatal und widerspricht jeglicher Logik. Muslime sind Menschen mit Ängsten, Hoffnungen, Wünschen und Träumen. Sie sind im Prinzip so, wie alle anderen Menschen auf dieser weiten Welt auch. Was sie von anderen unterscheidet ist ihre Glaubenseinstellung., so wie es bei Christen, Juden, Buddhisten, Hindus usw. auch ist. Der Mensch ist gleich, nur sein Glaube ist anders. Der eine glaubt an den einzigen Schöpfer, der andere glaubt an mehrere Götter, andere wiederum glauben an gar keinen Gott, was auch ein Glaube an sich ist. Zu glauben, nicht zu glauben. Und all das ist zu respektieren. Jeder möge nach seiner Fasson leben und glauben, solang er seinem Menschenbruder Respekt, Verständnis und Frieden gegenüber bringt. Zu denken, man solle als Muslim bloß keinem Nichtmuslim helfen, ist der reinste Schwachsinn. Menschen, die von sich behaupten Muslime zu sein, und solch einen Humbug von sich geben, sollten sich ihres Egozentrismus schämen und noch einmal überlegen, ob sie im Islam denn aufgehoben sind. Denn der Islam ruft seine Anhänger dazu auf, barmherzig, fried- und liebevoll zu den Geschwistern zu sein. Der Mensch ist, ganz gleich woran er glaubt, mein Bruder, allein aufgrund des Menschseins. Weder der Koran, noch die Sunna des Propheten, Friede und Segen seien mit ihm, begrenzen das Wort „Geschwister“ auf den Glauben oder auf die Nationalität, im Bezug auf soziales Engagement oder Barmherzigkeit. Wenn der Prophet, Friede und Segen seien mit ihm, sagt:

Das anlächeln deines Bruders ist eine Wohltat.“, meint er meinen leiblichen Bruder? Meinen Glaubensbruder? Oder meinen Bruder in der Menschlichkeit? In vielen Stellen macht uns der Prophet Mohamed, Friede und Segen seien mit ihm, darauf aufmerksam, für unsere Mitmenschen zu sorgen. Mit der Verbissenheit einiger muslimischen Geschwister kann ich genauso wenig anfangen, wie mit der Verbissenheit andere Geschwister, die anderen Glaubens- und Denkrichtungen angehören. Es ist eine Pflicht und eine Selbstverständlichkeit Menschen in Not zu unterstützen und zum Frieden in der eigenen Gesellschaf, aber auch International beizutragen.

 

Frau Mohamed, Sie sind bei der Jugend für ihre Offenheit und Polarisierung bekannt. Viele bewundern Sie. Welchen Ratschlag würden Sie den Jugendlichen mit auf den Weg geben?

Wenn ich polarisiere, dann nicht um Unruhe zu stiften, sondern um zum Nachdenken und zur Fairness aufzurufen. Ich akzeptiere und respektiere aufrichtig jede Meinung, auch wenn sie mir persönlich gegen den Strich gehen mag, denn ich mache ebenfalls Gebrauch davon „frei Schnauze“ zu sprechen, und lasse mir den Mund weder von Muslimen, noch von Andersgläubigen oder Andersdenkenden verbieten. Ich versuche immer, egal was geschieht, authentisch und meinen Prinzipien treu zu bleiben, denn ein Mensch ohne Prinzipien, so glaube ich persönlich, ist wie ein Segelschiff inmitten des Ozeans, welches sich von den Winden tragen lässt, ohne zu wissen, welchen Kurs es einnehmen soll. Hauptsache, es profitiert von den Winden, egal wie sie wehen. Und das ist nicht mein Fall. Allgemein rate ich vor allem den muslimischen Jugendlichen: Hände weg von Shekh Google und Shekh Wikipedia, und Vorsicht wen man um islamische Meinung fragt. Statt Dummschwätzern Folge zu leisten, sollte man selber die Courage aufbringen sich weiterzubilden und seriöse Quellen anzufragen. Ich rate den muslimischen Frauen endlich selbst das Wort zu ergreifen, und nicht immer andere für sie sprechen zu lassen. Weder die muslimische männliche Stimme, ganz gleich wie religiös diese sein mag, noch die nichtmuslimische Stimme, und hier ganz gleich ob Mann oder Frau, sollen für mich als Frau sprechen. Ich habe einen eigenen Mund, Verstand und eine eigene Seele. Da braucht keiner auf dem weißen Schimmel daherreiten, um mich zu retten. Niemand wird besser wissen, was die deutsche, muslimische Frau empfindet, welche Probleme und Ängste, aber auch Hoffnungen in sich trägt, als sie selbst.

Herzlichen Dank für das Interview!

By |Freitag, 12 August, 2011|News|0 Comments

Zahnräder Newsletter 15/2011

Der neue Zahnräder Newsletter 15/2011 ist online!

Der Newsletter Nr. 15 präsentiert sich mit einem neuen Layout und ist zudem der letzte vor dem Ramadan. Daher wurde in einem neuen Punkt ein Ramdanspezial eingebaut und wird bis zum Ende des Ramadan fortgesetzt. Des weiteren gibt es wichtige Infos über die Konferenz 2011, welche bald stattfinden wird. Interessante Informationen sowie viele wichtige Termine, Angebote und Jobs könnt im Newsletter 15/2011 ebenfalls eingesehen werden.

Eine Übersicht über das Angebot des Newsletters befindet sich hier, darunter die Link zum Newsletter-Archiv.

Wenn Sie den Zahnräder Newsletter noch nicht bekommen, dann können Sie sich rechts über unsere „Newsletter Anmeldung“ abonnieren.

By |Samstag, 30 Juli, 2011|News|0 Comments

HIMA - islamisch, grün, nachhaltig

Oft hören wir von Herausforderungen, die uns in unserem Alltag, in der Familie, in der Schule, Uni oder Arbeit begegnen. Doch selten hören wir von einer Herausforderung, die unser Lebensstil und seine Folgen auf die Umwelt betreffen. Und noch seltener hören wir Muslime, die sich zu diesem Thema äußern und die sich tiefgründig mit dem Schwerpunkt ‚Islam und Umwelt‘ beschäftigen. Um diese Lücke zu füllen, stellte Noureddin A. die Projektidee „Grüner Blickwinkel - Umweltschutz aus islamischer Perspektive“ auf der Zahnräder-Konferenz 2010 vor und konnte mehrere Interessierte für das Projekt gewinnen. Später initiierte die evangelische Akademie Loccum im gleichen Jahr die Tagung “Wie grün ist der Islam?” um einen Einblick in die islamischen Bezüge zu Umwelt und Nachhaltigkeit zu gewähren. Mit denen in Loccum dazu gewonnen Interessenten kommt es nach den wöchentlichen Internet-Sitzungen zur Gründungsversammlung von HIMA im April 2011. HIMA - der Begriff ist eine traditionelle Maßnahme für Naturschutz, die in mehreren Ländern weiterhin angewandt wird. In HIMA wollen wir ein ethisches, ökologisch-nachhaltiges Handeln – motiviert von der islamischen Umweltethik fördern und eine Auseinandersetzung mit diesem Themenschwerpunkt voranbringen.

Wir haben HIMA zu Aktivitäten und Neuigkeiten befragt:

Wie läuft es derzeit bei HIMA?
HIMA formiert sich gerade zu einer Organisation und ist außer mit der üblichen Koordinierungs- sowie Öffentlichkeitsarbeit, damit beschäftigt die Mitglieder professionell zu schulen, um aus ihnen repräsentative Multiplikatoren zu machen. Das enorm positive Feedback bei dem MJD-Meeting 2011 zeigte uns, was für eine große Lücke mit HIMA, so Allah will, geschlossen wird.

Wie begegnen andere dem HIMA-Projekt?
Teilweise entgegnete HIMA überschwängliche Freude über eine längst überfällige Auseinandersetzung mit dem Themen-Komplex: „Natur- und Umweltschutz aus islamischer Perspektive“. Zum Beispiel haben wir mit unserer „Seedbombs“ - (Guerillia Gardening) Aktion beim MJD-Meeting ein Gefühl dafür vermitteln können, wie einfach es ist selbst die wünschenswerte „Veränderung“ zu sein. Am besten wachsen wir allerdings an konstruktiver Kritik. Jeder ist dazu aufgefordert die Wege über E-Mail oder Facebook nicht zu scheuen, um uns auf Dinge aufmerksam zu machen die wir übersehen haben.

Wie hat sich HIMA weiterentwickelt?
Wir sind pragmatischer und effektiver geworden und haben Skype, Mixxt & Co. genutzt. Formal-juristisch wird HIMA umgehend ins Vereinsregister eingetragen. Es gelingt HIMA zunehmend nützliche Netzwerke aufzubauen und unsererseits wichtige Informationen zu islambedingt-nachhaltigem Handeln anzubieten. Und wir erreichen zunehmend eine breitere Öffentlichkeit durch Homepage, Facebook und Infoflyer. Insgesamt ist die damalige Projektidee durch Kontinuität „reifer“ geworden.

Was sind die nächsten Schritte?
Wir wollen jetzt nicht viel verraten, aber euch erwartet ein sehr spannendes Projekt, ein Wettbewerb, woran jede Person teilnehmen kann. Mehr verraten wir nicht! Wir befinden uns in der Vorbereitungsphase und mit hoher Wahrscheinlichkeit wird das Projekt erst Anfang 2012 starten, wenn Allah will. Bis dahin sind wir im Bereich der Erwachsenenbildung, der Aufklärung über Umweltthemen und Islam tätig. So haben wir schon ein Bio-Fairtrade Frühstück in einer Moschee organisiert. Von solchen Projekten wird man in naher Zukunft noch viel mehr hören. Unsere Nachrichten und Neuigkeiten kann man auf der HIMA-Homepage verfolgen: www.hima-org.com und auf Facebook: “HIMA-Umwelt-und-Naturschutz-aus-islamischer-Perspektive

Vielen Dank für das Interview!

By |Donnerstag, 14 Juli, 2011|News|0 Comments

Aktiv: Ekrem Senol

In unserer Reihe “Aktiv” stellt Zahnräder regelmäßig herausragende muslimische Persönlichkeiten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vor. Diesmal haben wir Ekrem Senol, den Chefredakteur von MiGAZIN, interviewt und ihn zu seinem Erfolg befragt.

Ekrem Senol, geb. 1975 in Gummersbach, gründete Anfang 2009 das MiGAZIN – ein unabhängiges online Fachmagazin zu Themen rund um Integration und Migration - und ist seit dem Chefredakteur.

Herr Senol, sie sind Chefredakteur von MIGAZIN. Wie kamen Sie zum Journalismus?
Das hat sich im Laufe der Jahre ergeben. Ich habe im Jahr 2005 meine ersten Artikel in meinem Blog www.JurBlog.de veröffentlicht und habe im Laufe der Zeit gemerkt, dass Bedarf vorhanden ist an Themen, die im Mainstream selten oder überhaupt nicht thematisiert werden. Die Resonanz auf meine Artikel hat mich im Laufe der Jahre immer mehr bestärkt, weiter zuschreiben. Als das Bundesverfassungsgericht 2007 dann erstmals in der Geschichte der Juristerei aus dem Internet – aus meinem Blog! – zitierte und damit Onlinequellen offiziell als zitierfähig anerkannte, ging mir ein Licht auf. Wenn man mit einem simplen Blog schon etwas bewegen kann, was wäre dann wohl möglich, wenn man ein richtiges Medium hätte? So ging Anfang 2009 das MiGAZIN online.

Warum gründeten Sie MIGAZIN und weshalb ist es für Sie wichtig, dass Migranten auch ein Sprachrohr haben?
Medien stellen – wenn auch inoffiziell – die vierte Gewalt dar und haben enormen Einfluss auf die gesellschaftliche Willensbildung. Und keine Gesellschaft kann es sich leisten, hier ganze Bevölkerungsgruppen außen vor zu lassen, wenn man an einer differenzierten Willensbildung interessiert ist. Die jüngsten Debatten haben wieder anschaulich vor Augen geführt, wie einseitig und effekthascherisch Medien auch im 50. Jahr des deutsch-türkischen Gastarbeiterabkommens berichten und selbst gestandene Politiker in eine ganz bestimmte Richtung lenken.

Schauen wir uns nur mal an, welchen Personenkreisen in den Medien regelmäßig ein Podiumgeboten wird und welchen nicht, kommen wir der eigentlichen Problematik näher. Wir haben in Deutschland zwar die Meinungsfreiheit, sind von der Chancengleichheit aber noch weit entfernt. Was nützt es, wenn man seine Meinung frei äußern kann, wenn es nicht wahrgenommen wird, während anderen ein Millionenpublikum zur Verfügung gestellt wird? Daher sind Medien wie MiGAZIN wichtig, die Chancengleichheit auch in diesem Zusammenhang herstellen.

Ein weiterer Punkt ist, dass Menschen mit Migrationsgeschichte über Mittel verfügen müssen, mit der sie selbstbestimmt auftreten können. Sie müssen Themen selbstbestimmt setzen und anstoßen können. Das wäre Teilhabe am Willensbildungsprozess. Diese Freiheit wird aber niemand auf demSilbertablett servieren. Da muss sich jeder selbst darum kümmern und anstrengen. Das MiGAZIN ist ein Teil dieser Anstrengung, auch wenn es im Vergleich zu den Großen noch in den Kinderschuhensteckt. Aber irgendwo muss man ja anfangen.

Wie sind die Reaktionen auf Ihre Arbeit? Gibt es vielleicht das eine oder das andere, was Sie besonders motiviert?
Die Resonanz auf das MiGAZIN war für uns in dieser Form so gar nicht vorhersehbar. Innerhalb kürzester Zeit hat sich das MiGAZIN zu einer festen Anlaufstelle etabliert, wenn es um migrantische Themen geht. Schon nach kürzester Zeit hatten wir Hunderte Newsletter-Abonnenten, die aus Verbänden, Stiftungen, Medien, der Politik kommen. Das geht hoch bis in das Bundeskanzleramt. Da wurde uns klar, dass das, was wir schreiben, auch an den richtigen Stellen wahrgenommen wird.

Natürlich wird es immer Leser geben, denen unsere Arbeit nicht schmeckt. Davon lassen wir uns aber nicht beirren. Zuschriften unserer Leserinnen und Leser bestärken uns täglich darin, dass wir auf dem richtigen Weg sind und eine wichtige Arbeit für ein neues Selbstbewusstsein leisten.

Das zeigt sich auch an den steigenden Zahlen deutschsprachiger Angeboten im Netz, die mittlerweilevon Menschen mit Migrationsgeschichte produziert und betrieben werden. Das MiGAZIN hat da etwas ins Rollen gebracht. Vor MiGAZIN hätte man noch lange suchen müssen, ehe man auf deutschsprachige Angebote von Migranten findet.

Was uns aber am meisten motiviert sind die mittlerweile mehreren Hundert MiGMACHER, die sich uns angeschlossen haben und heute das MiGAZIN mitgestalten. Es sind junge und alte Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet und sogar aus dem Ausland. Sie sehen in MiGAZIN eine Chance, ihren Teil dazu beizutragen, die mediale Schieflage zu begradigen. In den vergangenen zweieinhalb Jahren haben an MiGAZIN schon weit über 200 Menschen aus den unterschiedlichsten Herkunftsländern freiwillig mitgewirkt. Das freut und motiviert uns am meisten.

Das Zahnräder-Netzwerk versucht beispielhafte muslimische Intellektuelle zu präsentieren, und Jugendliche somit zum gesellschaftlichen Engagement zu motivieren. Was würden Sie gern muslimischen Jugendlichen auf den Weg geben? Was sollten ihre Visionen sein? Vielleicht Zukunftsperpektiven?
Zunächst einmal möchte ich den „Zahnrädern“ gratulieren, dass sie ein so tolles Projekt auf die Beinegestellt haben. Hut ab!

Zu Ihrer Frage: Ich würde gerne ein Zitat von Plinius dem Älteren wiedergeben - für alle Jugendlichen und nicht für muslimischen allein: „Glücklich sind jene, die Taten vollbringen, die es wert sind, aufgezeichnet zu werden, oder Schriften verfassen, die es wert sind, gelesen zu werden.“ Das ist übrigens unser MiGMACHEN-Zitat.

Ich beobachte häufig, dass insbesondere Jugendliche Angst davor haben, Fehler zu machen oder sich selbst bei kleinsten Hürden entmutigen lassen. Dabei kann doch nur der Fehler machen, der überhaupt etwas tut. So lernt man dazu und wird am Ende doch nur besser. Wir bei MiGAZIN sind mit unseren Fehlern gewachsen. Und irgendwann sieht man keine Hürden mehr, sondern nur noch Herausforderungen. Unsere Devise bei MiGAZIN lautet einfach nur: „Tun!“ In jeder Lebenslage und insbesondere nach Rückschlägen. „Tun, trotzdem tun“. Am besten mit Leidenschaft und Überzeugung. Dann ist alles möglich.

Herr Senol, wir danken Ihnen für dieses Gespräch!

 

By |Samstag, 18 Juni, 2011|News|0 Comments

Gazelle – Das multikulturelle Frauenmagazin

Einige Frauen werden Gazelle bereits kennen. Einige vielleicht noch nicht. Deswegen habt ihr jetzt die Gelegenheit die Bekanntschaft nachzuholen. Gazelle profiliert sich als unabhängiges, multikulturelles Frauenmagazin. Das erste und einzige ihrer Art. Viele deutsche Frauenmagazine sind zu einseitig und sprechen insbesondere Frauen mit Migrationshintergrund nicht an. Diese Lücke möchte Gazelle füllen und reflektiert deswegen die vielfältigen Frauenthemen, die im multikulturellen Deutschland inzwischen zur Realität gehören.

Sineb El Masrar, die Herausgeberin und Chefredakteurin der Gazelle, beantwortete unsere Fragen zum Magazin.

Sineb ist eine deutsche Autorin und Journalisten und zählt zu den prominentesten und aktivsten Frauen in der deutsch-muslimischen Community. Sie gründete im Jahr 2006 Gazelle, nahm im selben Jahr an der Integrationskonferenz und 2010 an der Deutschen Islamkonferenz teil. Ihr Buch „Muslim Girls: Wer wir sind, wie wir leben“ erschien im Herbst 2010.

Sineb, wie läuft es derzeit bei Gazelle?
Derzeit läuft bei uns eine Aborettungsaktion. Wir brauchen 1000 neue Abonnenten um weiter als Printmagazin erscheinen zu können. Denn als unabhängiges Medium ohne großen Investor ist es alles andere als einfach ein Printmagazin auf dem Markt zu erhalten. Außer den Druckkosten kommen andere Kosten hinzu wie Erstellung oder Vertriebskosten beispielsweise.

Was für Feedback bekommt Ihr?
Wer Gazelle mal gelesen hat, ist eigentlich immer schnell begeistert und kauft das Heft regelmäßig bzw. abonniert es. Aber der Weg zur zukünftigen Leserin ist nicht immer einfach, wenn kein Werbebudget zur Verfügung steht.

Was habt ihr schon erreicht?
Wir haben ein paar neue Aboerklärungen gewinnen können. Die 1000ner Marke ist aber noch nicht geknackt. Wir sind gerade bei 400 Aboerklärungen. Außerdem planen wir eine kleine Werbeaktion. Beim MJD-Treffen haben wir auch geworben, aber merkwürdigerweise war man sehr kritisch uns gegenüber, was ich ehrlich gesagt etwas merkwürdig finde.

Welche Neuerungen werden kommen?
Wenn es weitergeht, wird Gazelle zum einen sein Webportal optimieren und den Copypreis von 8€ auf 4,80€ senken. Und von halbjährliche Erscheinungsweise auf vierteljährlich wechseln.

Wir bedanken uns herzlich bei Sineb und wünschen Gazelle viel Erfolg und vor allem die fehlenden 600 Aboerklärungen!

By |Donnerstag, 16 Juni, 2011|News|0 Comments

Für ein besseres Leben: Art for Life

Sara Morkramer und ihre Freunde widmen ihre Begabung und Zeit den Menschen das zu geben, was sie alle verdient haben; ihr natürliches Recht auf Leben. Leider lässt uns unser eigenes Wohl vergessen das ein würdiges Leben nicht für alle Menschen selbstverständlich ist. Nicht alle haben einen Zugang zu lebenswichtigen Gütern wie Wasser, Nahrung, Unterkunft oder Bildung. Mit Art for Life wollen Sara und ihre Freunde aber nicht vergessen, nicht nur zusehen, sondern wollen so gut es geht helfen und Menschen in Not ein besseres Leben ermöglichen. Mit einem beispielhaften Engagement gehen sie mit ihren eigenen Möglichkeiten gegen die Armut in der dritten Welt vor. Aus Liebe zur Schöpfung leisten sie mit ihren Mitteln einen kleinen Beitrag für die Menschlichkeit. Doch das Resultat des vermeintlich kleinen Beitrags ist riesig. Sara und ihre Freunde retten Menschenleben!

Das Projekt Art for Life und ihre Mitstreiter haben bereits auf der Zahnräder-Konferenz letzten Jahres viele Teilnehmer fasziniert. Das Projekt hilft bedürftigen Menschen der dritten Welt den Zugang zu einem lebenswichtigen Gut zu verschaffen; Wasser. Hierzu werden die Kunstwerke verkauft und mit dem Erlös beispielsweise der Brunnenbau in Afrika unterstützt.

Projektleiterin Sara Morkramer freut sich über die breite Unterstützung und neue Interessierte die an ihrem Projekt mitwirken wollen. „Nur hoffe ich, dass es nicht nur beim ‚wollen’ bleibt, sondern dass mal auch tatkräftige Tatsachen auf den Tisch gelegt werden und es nicht nur bei einer Euphorie bleibt.

Doch ein reines Brunnenprojekt soll das Ganze nicht bleiben. Das Projekt will Bedürftigen auch anderweitig helfen. „Zum Beispiel Weisenkindern“ erklärt Sara mit dem Verweis auf den Projektnamen. ART FOR LIFE; Kunst für Leben. „Vermutlich wird das Projekt inshaAllah auch den Bau des Waisenhauses in Ghana unterstützen, der zurzeit dort von einem Bekannten Stück für Stück vorangetrieben wird.

Art for Life hat vielen Menschen geholfen. Über drei gebaute Brunnen in Ghana freut sich Sara schon. Durch Spenden und den Verkauf der Kunstwerke (Kalligrafien) haben sie jetzt das Geld für den vierten und fünften Brunnen zusammen, lässt Sara wissen. „Auf dem MJD-Meeting werde ich für den sechsten Brunnen auch einen Stand mit meinen Kalligrafien machen und sie für das Projekt verkaufen.

Wir wünschen viel Erfolg und rege Unterstützung!

By |Donnerstag, 2 Juni, 2011|News|0 Comments

Aktiv: Tuba Isik-Yigit

In unserer Reihe „Aktiv“ stellt Zahnräder regelmäßig herausragende muslimische Persönlichkeiten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vor. Tuba Isik-Yigit, Juristin und Pädagogin, ist im Vorstand des Aktionsbündis muslimischer Frauen (AmF) und gehört zu den prominenten Einzelpersonen und Akademikern, die in der Deutschen Islamkonferenz vertreten sind. Zahnräder befragte sie zu der Situation muslimischer Jugendlicher in Deutschland.

Tuba Işık-Yiğit ist Magister Juristin und Pädagogin und ist als Einzelperson in der Deutschen Islamkonferenz vertreten.

Während ihres Studiums absolvierte die gebürtige Mainzerin einen universitären Weiterbildungsstudiengang zur Islamischen ReligionslehrerIn an der Universität Osnabrück. Durch diese Fortbildung und Auslandssemester an theologischen Fakultäten in der Türkei liegt ihr Schwerpunkt insbesondere auf Islamischer Religionspädagogik.

Seit Februar 2010 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Komparative Theologie und Kulturwissenschaften an der Universität Paderborn. Ein wesentlicher Beitrag von ihr besteht darin, die Etablierung eines Forschungsverbundes „Islamische Theologie“ an der Universität Paderborn mit dem Ziel der Schaffung der Infrastruktur für einen Lehramtsstudiengang „Islamische Religionslehre“ an derselben Universität mitzutragen. Tuba ist als Multiplikatorin des bundesweiten Projekts „Gegen häusliche Gewalt“, der türkischen Tageszeitung Hürriyet ausgebildet und ist eine der Moderatorinen des Jugenddialog 2020 Projektes.

In Bahrain wurde sie in einem Kooperationsprojekt des Ministeriums für religiöse Angelegenheiten zu einer qualifizierten Moscheeführerin ausgebildet, wo sie vor Ort über zwei Monate insgesamt 1500 deutsche Touristen durch die größte Moschee Bahrains führte. Ferner schult sie sporadisch als freie Referentin in diversen Einrichtungen nicht-muslimische Fachkräfte inhaltlich zum Islam.

Frau Isik-Yigit, wie beurteilen Sie die momentane Situation der muslimischen Jugend in Deutschland?

Ich möchte bewusst eine Defizit orientierte Bestandsanalyse umgehen und ganz klar das große Potenzial, das in den muslimischen Jugendlichen in Deutschland steckt, positiv hervorheben.

Muslimische Jugendliche sind durch zwei manchmal drei Kulturen gepräg. Sie besitzen dadurch eine überdurchschnittliche Empathie- und Adaptationsfähigkeit und verfügen damit über eine in der modernen, globalisierten Welt sehr wichtige Kompetenz, nämlich überall auf der Welt mit Menschen, die ebenso kulturell different aufwachsen, sehr schnell auf einen Nenner kommen zu können und sich auf einer Metaebene besser verständigen zu können.

Muslimische Jugendliche haben zudem durch ihre unterschiedlichen Wurzeln die Chance nicht nur eine, sondern weitere Sprachen gleichzeitig zu erlernen.

Beide Fähigkeiten zeichnen den muslimischen Jugendlichen aus, sofern er diese erkennt und zu stärken sowie zu pflegen bereit ist.

Der Kern, der einen muslimischen Jugendlichen m.E. ausmacht, ist, wie das Adjektiv schon sagt, dass er ein Muslim ist. Das Muslimsein – insbesondere in der Diaspora – birgt eine gewisse Herausforderung, nämlich sich mit den sozialen und allgemeingesellschaftlichen Belangen, den Problemen seines Umfeldes, seiner Umwelt und seiner Mitbürger zu beschäftigen sowie seinen möglichen Beitrag dazu zu reflektieren und zu leisten.

Wie sollten sich muslimische Jugendliche in Deutschland aktivieren bzw. engagieren. Welche Möglichkeiten stehen ihnen in der Hinsicht offen?

Zunächst einmal gibt es in Deutschland eine breit gefächerte Landschaft an Vereinen; für jedes Interesse ist sicherlich etwas dabei. Ausschlaggebend ist nicht, dass der muslimische Jugendliche sich nur in muslimischen Kreisen bewegt, sondern seinen Interessen, Ideen und Zielen als junger Mensch nachgeht und sich Orte sucht, an denen er seinen Zielen näher kommt; diese Orte müssen nicht muslimisch geprägt sein. Wenn sich jemand z.B. politisch engagieren möchte und für bessere Ausbildungschancen kämpfen möchte, dann findet er viele Gruppierungen, die die gleichen Ziele haben und die er sich einbringen kann.

Die Bundeszentrale für politische Bildung, Jugendgruppen von Parteien, Moscheegemeinden, Stiftungen oder kirchliche Träger sind einige dieser Anlaufstellen. Vorteilhaft ist es sicherlich stadtspezifische Institutionen ausfindig zu machen, da diese die unterschiedlichsten Projekte anbieten und man in seinem unmittelbaren Wohnumfeld tätig werden kann. Hier kann man dann auch relativ schnell den einen oder anderen Erfolg sehen, was wiederum motivierend wirkt.

Wie stellen Sie sich die Zukunft der in Deutschland lebenden Muslime vor? Sind sie da optimistisch?

Diese Frage hängt von so vielen Faktoren ab, dass man nur sehr vage Prognosen stellen kann. Hoffen wir auf Beste und darauf, dass jeder dafür seinen Beitrag leistet, sowohl die staatlichen und die politischen Kräfte als auch jedes Individuum, ob Ursprungsdeutscher oder Migrant.

Vielen Dank für das Gespräch!

By |Sonntag, 22 Mai, 2011|News|0 Comments

Deine Studienberatung: StudyCoach 2.0

Die Zahnräder-Konferenz im letzten Jahr hat so einige neue Projekte und Projektzusammenschlüsse initiiert, so auch StudyCoach 2.0. Seitdem hat sich allerdings viel getan beim Projekt, das Studieninteressierten eine kostenlose Beratung anbietet.
“Momentan läuft die Internetplattform StudyCoach 2.0 auf Hochtouren. Fast jeden Tag melden sich neue Berater an und immer mehr Studieninteressierte nehmen die Beratungsangebote wahr” erklärt Hasret Kulac, die Pressesprecherin des Projekts.

Auf der Internetplattform können sich Studieninteressierte über 100 verschiedene Studiengänge aufklären lassen. Über 152 BeraterInnen tun das bereits ehrenamtlich und sind selbst als Studenten erfahrene Begleiter in das Hochschulleben.
Hasret berichtet stolz über fast hundert angemeldete User die StudyCoach nutzen. Selbst in exotischen Studiengängen wie Technomathematik oder Bekleidungsmanagement warten erfahrene BeraterInnen auf Fragen von Studieninteressierten. Nicht nur online ist StudyCoach präsent. Auf vielen Veranstaltungen und Schulbesuchen hat das Projekt-Team kräftig für StudyCoach geworben.

StudyCoach 2.0 will es beim status quo aber nicht belassen. Ehrgeizig wagt sich das Team ihr erfolgreiches Projekt mit anderen zu messen. So nehmen sie beispielsweise am nationalen Wettbewerb „Studentische Netzwerke: kreativ – mobil – kooperativ“ teil. Schließlich wird das Projekt durch prominente Kooperationspartner wie Studienwahl.tv oder Mailmentoring Plus - dem Mentorprojekt der Ruhr-Universität-Bochum unterstützt. „Weitere Kooperationsverhandlungen sind in Gange.“ verrät Hasret.

Wir wünschen viel Erfolg!

Video:
Studium und was danach? StudyCoach 2.0 hilft!

By |Donnerstag, 19 Mai, 2011|News|1 Comment

Zahnräder Newsletter 9/2011

Der neue Zahnräder Newsletter ist online!

Im Newsletter Nr. 9 ist unter anderem unser spannendes Interview mit Farid Hafez nachzulesen. Außerdem bietet Euch der Newsletter viele aktuelle Infos. Zum Beispiel über die muslimisch-jüdische Konferenz, das Festival versionale oder über die erste europäische Konferenz für Muslime. Viele wichtige Termine, Angebote und Jobs könnt Ihr im Newsletter ebenfalls einsehen.

Wenn Du den Zahnräder Newsletter noch nicht bekommst, dann kannst Du ihn dir hier rechts über unsere „Newsletter Anmeldung“ abonnieren.

Dein Projekt im Newsletter
Wenn auch dein Projekt im Zahnräder Newsletter vorgestellt werden soll, dann bitte per E-Mail an: [email protected]

By |Dienstag, 10 Mai, 2011|News|0 Comments

Aktiv: Farid Hafez

Farid Hafez ist österreichischer Politikwissenschaftler und gehört zu den prominenten intellektuellen muslimischen Köpfen im deutsch-sprachigen Raum. Er schloss sein Doktoratsstudium an der Universität Wien ab, dort lehrt er derzeit am Institut für Orientalistik. Als Experte ist er in österreichischen Fernsehtalkformaten wie „ATV am Punkt“ und „Puls 4 Talk of Town“ aufgetreten. Die Islamophobieforschung gilt als eines seiner besonderen Schwerpunkte. Er ist Herausgeber des Jahrbuchs für Islamophobieforschung für Deutschland, Österreich und die Schweiz. 2009 erhielt er den Bruno-Kreisky-Anerkennungspreis für das politische Buch des Jahres.

 

1- Herr Hafez, wie schätzen Sie die derzeitige politische Atmosphäre in Österreich gegenüber dem Islam ein? Wird die Politik in Zukunft zunehmend mehr von islamophobischen Haltungen beeinflusst werden, oder ist Islamophobie längst tabu?

Österreich hat eine lange Tradition mit dem Islam. Die Habsburgermonarchie anerkannte den Islam bereits im Jahre 1912, was nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1979 zu einer Institutionalisierung des Islams führte. Damit haben die politischen Behörden einen klaren Verhandlungspartner, wenn es um die MuslimInnen geht. Das trägt maßgeblich dazu bei, dass aufkommende Konflikte – wie es sich in einer Demokratie gehört – auf dem Verhandlungstisch geregelt werden können. Das Wesen der Demokratie ist es, Konflikte in geordnete Bahnen zu leiten, um gemeinsam mit allen Beteiligten Lösungen für Herausforderungen zu finden. Das funktioniert grundsätzlich nicht schlecht. Im Vergleich zu Deutschland ergibt sich daraus etwa, dass radikalen Strömungen innerhalb des islamischen Spektrums keine nennenswerte Bedeutung zukommt, weil die muslimischen Institutionen in das politische System Österreichs eingebettet sind. Sie werden nicht als Fremdartige behandelt, sondern als – mehr oder minder – Gleichwertige behandelt.

Diese Ausführungen dürfen natürlich nicht den Blick von islamophoben Tendenzen ablenken. So hat die Konzentration rechtspopulistischer Parteien, die in Österreich anders als in Deutschland auf nationaler Ebene vertreten sind und normaler Teil des Parteienspektrums geworden sind, auf islamophobe Inhalte seine negativen Effekte auf das gesamte politische Spektrum gezeigt. Während die Freiheitliche Partei sehr früh begann, Islamophobie zu einer tragenden Säule ihrer Wahlkampfarbeit zu machen, und in der Aggressivität ihrer Sprache auch immer derber wurde, begannen später immer wieder auch vereinzelt Personen aus den ehemaligen Großparteien der Sozialdemokraten und Konservativen, sich islamophob zu positionieren, ohne dafür gescholten zu werden. Islamophobie fand den Eingang in den politischen Mainstream. Auf Bundesebene verfolgt die österreichische Bundesregierung jedoch entsprechend der österreichischen Verfassung einen korrekten Umgang im Umgang mit den MuslimInnen. Zu Diskriminierung kam es lediglich auf Landesebene in Kärnten (mit rechtspopulistischer Regierung) und Vorarlberg (mit Konservativen an der Macht). Es gibt insofern einen Richtungsstreit zwischen rechten und gemäßigten Kräften innerhalb dieser Parteien, inwiefern die Rechtspopulisten rechts zu überholen sind.

 

2- Welchen Einfluss hatte die Sarrazin-Debatte auf Österreich bzw. Europa? Konnten Sie eine Radikalisierung der rechten sowie linken Politik beobachten?

Der Fall Thilo Sarrazin wäre ein Beispiel für den Eingang der Islamophobie in den Mainstream. Dass Sarrazin nun auch nicht aus der SPD ausgeschlossen wurde, gleichzeitig dieser Schritt aber von hochrangigen SPD-VertreterInnen kritisiert wurde, zeigen das Wanken der ehemaligen Großparteien und die Unklarheit in der Positionierung. Dieser Richtungsstreit innerhalb der Parteien wird wahrscheinlich noch länger andauern. Auch das gehört schlussendlich zum Wesen der Demokratie. Nichts ist in Stein gemeißelt und wird immer wieder neu ausverhandelt.

In Österreich wurde diese Debatte selbstverständlich rezipiert. V.a. rechte PolitikerInnen freuen sich immer wieder, einen Sozialdemokraten zitieren zu können, damit sie auf diese Weise gesellschaftsfähiger werden, auf höhere Akzeptanz stoßen. Das ist auch der Verdienst der Rechten in Österreich, dass sie langsam aber doch es geschafft haben, ihre Ansichten immer wieder zum Allgemeingut werden zu lassen. Das konnten wir in den 1990er Jahren in der sogenannten Ausländerdebatte beobachten und das sehen wir heute, wenn es um die neue Fremdenrechtsgesetzgebung geht oder eben auch im Falle islamophober Positionen.

Das besondere an Sarrazins Fall ist hier aber v.a. die Rückbesinnung auf nativistische, rassische Faktoren. Damit hat er ein Tabu gebrochen, was umgekehrt v.a. den völkischen und rechtsradikalen Strömungen Aufwind geben wird, da es ihre Themen enttabuisiert und damit normalisiert. Was könnte einer NPD oder einer FPÖ-Vorfeldorganisation besser passieren, als dass ein sozialdemokratischer Ex-Banker ihre Ideen hofiert?

3- Der 11. September, der Irak-Krieg, die Minarett- sowie Burka-Verbote, die Sarrazin-Debatte und nun ganz aktuell die nordafrikanischen Revolutionen, die die islamophobe Einstellung vieler Europäer änderten. Wohin führt uns diese Entwicklung. Was wird aus dem „europäischen Islam“, bzw. dem Islam im Europa?

Was mit den MuslimInnen in Europa passiert wird nicht außerhalb entschieden, sondern in den einzelnen Nationalstaaten, wenn auch globale Vorgänge nicht an uns spurlos vorbeziehen werden. Als Beispiel seien die Vereinigten Staaten von Amerika genannt. Während die Außenpolitik seitens vieler MuslimInnnen oftmals als gegen den Islam gerichtet wahrgenommen wird, sehen wir, dass in den USA eine unheimliche große Toleranz und religiöse Spiritualität herrscht und diese von den globalen Vorgängen nur peripher beeinflusst wird. Umgekehrt würde ich damit sagen, dass die mangelnde Toleranz, die in vielen europäischen Nationalstaaten existiert (öffentliche Burka-Verbote und schulische Kopftuchverbote in Frankreich oder Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst in manchen deutschen Bundesländern) in erster Linie den jeweiligen politischen Kulturen und Traditionen geschuldet sind. Das hat nichts mi 9/11 zu tun. Es ist die Frage, welches Selbstverständnis ein Land hat, inwiefern es für eine tatsächliche Öffnung fähig ist und welche Rolle darin auch muslimische AkteurInnen spielen. Sind sie auf der Zuschauerbank oder sind sie aktiv in der Zivilgesellschaft und in den Parteien, um ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen? Insofern würde ich nicht globale, sondern vielmehr nationale Faktoren als ausschlaggebend betrachten.

4- Inwiefern sind die Islamischen Gemeinschaften dazu verpflichtet, dem Stereotypen „Böser Muslim“ entgegenzuwirken? Welche Aufgaben stehen ihnen zu?

Es steht mir nicht zu, Arbeitsaufträge zu verteilen. Es ist grundsätzlich auch abhängig von den jeweiligen Kirche-Staat-Beziehungen, welche Bedeutung Religionsgemeinschaft überhaupt in den jeweiligen europäischen Nationalstaaten zukommt. Ich halte die regionale Ebene aber grundsätzlich für die wichtigste. Hier wird konkret für Menschen gearbeitet, hier entsteht Vertrauen. Und das ist womöglich eines der besten Gegenmittel gegen Vorurteile.

Vielen Dank für das Gespräch!

By |Samstag, 7 Mai, 2011|News|1 Comment