Die Islamische Zeitung ist eine in Berlin erscheinende Monatszeitung. Auf ihrer Online-Seite gibt es News, Hintergründe zum Islam, IZ TV und einen Buchshop. Sie ist eine der größten und meistgelesenen muslimischen Medien in Deutschland. Zahnräder hat die Islamische Zeitung bezüglich ihrer Arbeit befragt und viel Neues erfahren.
»Die Schattenseite unserer Freiheit ist die ungesicherte Finanz- und Einkommenlage«
› Wie läuft es derzeit bei der IZ?
Wer in Deutschland ein offenes, muslimisches Projekt betreibt (das von seinen Inhalten und von seiner Struktur her unabhängig ist), macht die Erfahrung eines regelmäßigen Auf und Ab. Aber gerade wenn die übergeordnete Absicht ideeller Natur ist, sieht man bestimmte Dinge, die andere als Mängel oder Problem wahrnehmen, als Herausforderungen und notwendige Entwicklungsschritte auf dem Weg.
Unsere offene und ungebundene Form gab uns immer die notwendige Freiheit, das zu publizieren, was wir nicht nur für richtig halten, sondern auch, was sich an den Möglichkeiten eines authentisch gelebten Islams in Deutschland orientiert - selbst wenn wir dadurch in bestimmten Kernfragen Widerspruch provozieren. Die „Schattenseite“, wenn Sie so wollen, dieser Freiheit ist aber unsere bisher ungesicherte Finanz- und Einkommenslage. Unsere augenblicklichen Bemühungen - neben der Aufrechterhaltung unserer redaktionellen Qualität - betreffen dies Lösung dieser existenziellen Frage.
»Eine Kommunikationsplattform für echte Begegnungen«
› Was für Feedback bekommen Sie?
Die Islamische Zeitung erfährt eigentlich ein überwiegend positives Echo - von wenigen randständigen Stimmen abgesehen. Angesichts unserer wichtigen Funktionen, nicht nur für die muslimische Community, sondern auch als Brücke zu mehrheitsfähigen Diskursen wünschen wir uns manchmal, dass mehr öffentlich einbringen könnten. Das Entstehen virtueller Welten führte leider dazu, dass viele zu oft auf wirkliche Begegnungen verzichten.
Da wir die Islamische Zeitung als Kommunikationsplattform für eine echte Begegnung verstehen, wünschen wir uns mehr echten Austausch und Begegnungen. Eine Webseite oder eine „virtuelle Community“ wird einen zwischenmenschlichen Austausch niemals ersetzen können.
»Eine Auflage von 5000 bis 7000 Exemplaren«
› Wie hat sich das IZ-Team und die Zeitung selbst entwickelt?
Die IZ nahm als sehr kleine, unregelmäßig erscheinende Publikation begeisterter, jugendlicher Idealisten im thüringischen Weimar ihren Anfang. Zu Beginn konnten wir immer nur dann eine Zeitung drucken, wenn wir das Geld dafür auftreiben konnten. Mittlerweile erscheinen wir monatlich in einer Auflage von 5.000 bis 7.000 Exemplaren und betreiben eine, sich täglich verändernde Webseite.
Wir werden von einer unabhängigen Medienfirma, der IZ Medien GmbH herausgegeben, die finanziell und strukturell unabhängig ist. Seit rund zehn Jahren erscheinen wir von Berlin aus. Die moderne Technik und der Finanzierungsdruck haben uns dazu gebracht, im Augenblick mit einem kleinen Redaktionsteam zu operieren, das mit Dutzenden freien Autoren und Helfern jeden Monat eine anspruchsvolle Ausgabe herausbringt.

»Es ist wichtig an islamische Kernelemente zu erinnern«
› Welche Neuerungen werden kommen?
Die Qualität unserer Arbeit und das Potenzial stehen im Verhältnis zum Potenzial unserer AutorInnen und aller Interessierter, die sich an der IZ beteiligen möchten. Kommt beispielsweise jemand, und sagt, „ich will unbedingt eine Jugendsektion auf der Webseite einrichten“, dann verhielten wir uns sehr dumm, wenn wir dies nicht umsetzen würden.
Es besteht ohne Frage ein Spannungsverhältnis zwischen dem Druck zu neuen Sachen und einer Notwendigkeit zum Verharren. Allerdings muss ich auch einräumen, dass ich so manch „Neues“ mit Misstrauen betrachte, was es für die muslimische Community im Ganzen auslösen kann. Sehr häufig haben die „neuen Medien“ dazu geführt, dass sich der Trend der Atomisierung unter den Muslimen („Jeder will sein eigener Imam, Qadi und Schaikh sein“) dadurch noch weiter verstärkt.
Ein Blog ist per Definition subjektiv, während ein kollektives Medium, dass sich zu Recht als eine der Stimmen der Muslime in Deutschland versteht, zumindest teilweise nach verbindlichen Kriterien funktionieren muss. In Zeiten einer virtuellen Unübersichtlichkeit ist es notwendig, immer wieder an verbindliche islamische Kernelemente zu erinnern. Dazu zählt allen voran die dritte Säule des Islam, die Zakat, die erschreckenderweise kaum noch Erwähnung findet.
Konkret würden wir gerne regelmäßigere Video- und Audiobeiträge bringen. Ein wöchentliches Videotagebuch oder einige, kurze Reportagen wären. Wer Interesse daran hat, hier mit uns zu kooperieren, ist herzlich eingeladen.
› Was habt Ihr schon erreicht?
Unsere Arbeit und ihr Produkt ist eigentlich der beste Nachweis dessen, was wir erreicht haben. Die Tatsache, dass es im heutigen globalen Sturm eine Stimme gibt, die positiv und im Rahmen einer europäischen Identität zum Islam einlädt beziehungsweise, ist die Sache selbst.
Wer sich auf unserer Webseite die Sektion „Grundlagen“ anschaut, bekommt einen faszinierenden Einblick in die Welt des Islam. Die positive „Provokation“ der Islamischen Zeitung besteht darin, dass sie dies nicht im Rahmen einer ausländischen „Kultur“ oder einer politischen Ideologie tut, sondern einen existenziellen Lebensweg entwirft, der potenziell allen Menschen in dieser Zeit offen steht.
Das Interview führte Taner Beklen mit Herrn Sulaiman Wilms von der IZ.
Vielen Dank!