Ich denke unsere Vorstellungskraft ist weder stark, noch ausgeprägt genug, als dass es den Schmerz all der Flüchtlinge in unseren Köpfen nachzeichnen könnte. Doch allein der ernste Versuch des Auflebens eines intensiven Empathiemomentes lässt uns in andauernder Gänsehaut und unablässigen Gewissensbissen zurückschrecken. Dieses unvorstellbar große Ausmaß an Erschwernis scheint schon Erwachsenen nicht ernsthaft zumutbar zu sein – was aber ist dann mit den Kindern? Den kleinen Wesen, die ihre winzige Fantasiewelt mit härtester Realität tauschen und inmitten von Krieg aufwachsen mussten. Zwischen Militär und Hunger mussten sie all ihre kindlichen Spielerein untergraben und dem brutalen Alltag jeden Morgen ins Auge blicken. Wie schwer ertragbar muss es für ein Kind sein, im Alter von Entwicklung und Neuerkundung allem was ihm je vertraut war, den Rücken zu kehren. Und wie bloß kann man dieser gebrochenen Kriegsgeneration helfen?
Eine Antwort wäre in jedem Fall das ambitionierte Projekt „Lichtpaten“, ins Leben gerufen von der MUJOS – der Muslimischen Jugendcommunity Osnabrück. Genau 33 Ehrenamtliche werden nun ein Jahr lang als Lichtpaten agieren, das heißt wöchentlich Zeit mit jeweils einem Kindern aus Flüchtlingsfamilien verbringen, sie vor allem auf emotionaler Ebene stärken und als ihre Schützlinge annehmen. Dabei wird jedem Lichtpaten jeweils ein Flüchtlingskind zugeteilt. Dieses Projekt widmet sich in seinem grenzenlosen Ehrgeiz und seiner Passion all jenen Kindern, die in einem ihnen vollkommen fremden Land, nach der einst gewohnten Sicherheit und Fürsorge auch außerhalb ihrer Familien suchen. Die Kinder, die meist nur wenige Worte der hiesigen Sprache sprechen, mental und emotional noch nicht ganz auf deutschem Boden gelandet sind, aber zweifelsohne den nötigen Eifer und die kindliche Dynamik für das Sichern ihres eigenen, ganz persönlichen festen Platzes innerhalb dieser Gesellschaft in sich tragen. Die Lichtpaten berufen sich auf genau diese Kinder. Die, die meist zwischen gutgemeinten Demonstrationen und teilnahmsvollen „refugees welcome!“ Stickern, die nun schon viele Ecken deutscher Städte zieren, ganz leicht und viel zu schnell vergessen werden. Denn mit dem Erhalt von Asyl ist noch lange nicht alles geschafft und mit einigen kleinen Protesten nicht viel getan. Projekte wie die der „Lichtpaten“ bringen nahezu wortwörtlich helles Licht in all die Dunkelheit, die das Leben dieser Kinder zu umhüllen droht.Die Lichtpaten sind reale Vorbilder. Helden mitten aus der Riege gewöhnlicher Bürger, die sich in ihrer Freizeit die lückenlose Hilfe von ihnen komplett fremden Menschen zur Herzensaufgabe gemacht haben. Doch dass sie sich vorher nie gekannt haben ist in diesem Fall nicht von Belang, denn das einzige was zählt ist die Humanität, die als Grundintention der Lichtpaten verstanden werden muss. Tatsache ist, dass diese Kinder ihre Arme ausstrecken, hoffend am anderen Ende offene Hände zu berühren, und diese nach Beistand greifenden Finger dank der Lichtpaten nicht ins Leere fassen werden. Die MUJOS vollführen mit diesem gemeinnützigen Projekt einen regelrechten Edelakt an sozialem Engagement. Ein figurativ geballter Schimmer direkt in die Ignoranz unserer Reihen; eine Handvoll zukünftiger Aktivität, die einen großen Teil der vergangenen Passivität geraderückt. Ein Projekt, das unseren Publikumspreis sowie den zweiten Platz in der Kategorie Rookies mehr als verdient hat.
Text: Büsra Delikaya
Bilder: © Tasnim Baghdadi




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