Nilgün Akinci & Tasnim Baghdadi vom Zahnräder-Team Corporate Design haben im Rahmen des neunten World Islamic Economic Forums in London am MOCAfest teilgenommen. Dabei haben sie viele neue Erkenntnisse und Kontakte knüpfen können und haben ihre Eindrücke als Video und Erfahrungsbericht festgehalten. Nilgün Akincis Bericht gibt einen exklusiven Rückblick auf das MOCAfest und bietet einen Einblick für zukünftige Fellows.
Das war ein Erlebnis ohne Gleichen. Es ist schwer diese 10 Tage in London in einem kleinen Beitrag zusammen zu fassen, da es für mich eine unglaubliche Bereicherung in meinem Leben bedeutet hat. Nach der Heimkehr, als ich geladen war voller Licht und Energie, jedoch ermüdet wi e von einer monatelangen Reise, konnte ich im Ansatz nachvollziehen, wie unser Prophet in einer Nacht das ganze Paradies bereist haben soll. Naja fast

Als Tasnim und ich uns für das Stipendium beworben habe, hatten wir keinerlei Erwartungen und als wirtschaftsferner Mensch hat mir der Name der Veranstalter World Islamic Economic Forum (WIEF) auch nicht viel gesagt. Aber eins war klar: das aufgestellte Programm des MOCAfellows-Workshops und die darauf folgenden MOCAfest-Ausstellung waren genau das, was mir als freischaffende visuelle Künstlerin gefehlt hatte: Struktur und Planung in der Vermarktung und Verbreitung meiner Werke.
Es wurden 10 internationale KünstlerInnen aus unterschiedlichen Gebieten gewählt: MusikerInnen, FotografInnen, DesignerInnen und visuelle KünstlerInnen. Die RednerInnen und VeranstalterInnen sind etablierte Figuren aus der Kunstlandschaft, die uns wertvolle Informationen vermittelt haben. Wir haben im dreitägigen MOCAfellows-Workshop gelernt wie wir uns einen Business Plan erstellen, Kontakte knüpfen, Finanzierung für Kunstprojekte ermitteln und unsere Arbeit nicht unter seinem Wert verkaufen (was wohl oft in muslimischen Communitys zu Schwierigkeiten führen würde: „Akhi, ich hab da so einen neuen Laden eröffnet, kannst du mir nicht mal ein Schild designen? Und auch gleich die Inneneinrichtung? Würdest du auch meine Hochzeitsfotos machen? Damit würdest du freilich eine gute Tat tun!“ und der Gleichen seien keine Seltenheit). Wir haben gelernt unsere eigene Arbeit wertzuschätzen und wertschätzen zu lassen; wie wir uns selbst „branden“ und als Produkt in unserer Nische auf dem Weltkunstmarkt vermarkten. Jeder hatte seine Schwächen und Stärken, und ich hatte besonders damit Schwierigkeiten, denn was genau macht denn eigentlich so eine Künstlerin? Das ist bei einem Beamten auch nicht so ganz klar, aber da hinterfragt niemand. Als Künstlerin jedoch muss ich mich genau damit außerhalb meiner Kunst beschäftigen, um den Draht zum Betrachter aufbauen zu können.
Der Zeitplan war dicht gewebt. Wir haben während des Workshops quasi unsere Selbst- und Fremdwahrnehmung revolutioniert, mussten dies aber bei einem Smalltalk mit Häppchen beim Empfang beim Londoner Bürgermeister verdauen, wo wir nach dem Workshop das erste Mal die Business-Konnotation in Form von hunderten Anzugträgern in einem Raum bemerkt haben. Schließlich ist das MOCAfest dazu gedacht, Business-PartnerInnen und KünstlerInnen einander näher zu bringen, um zukünftige Projekte gemeinsam realisieren zu können. Auch beim Gala-Dinner, wo Prince Charles persönlich eine Rede darüber gehalten hat, dass wir besonders in Zeiten der Krise über alternative Wege des Wirtschaftens nachdenken müssten, wurde einem der Umfang dieser Veranstaltung, a.k.a. 9th WIEF, klar.
Während wir Höhen und Tiefen durchlebt haben, sind wir Workshop-TeilnehmerInnen uns näher gekommen, als dies sonst mit zufällig zusammen gewürfelten Menschen möglich gewesen wäre. Es sind Tränen der Freude und der Erkenntnis geflossen. Während der Ausstellung auf dem MOCAfest kamen noch weitere unglaublich talentierte KünstlerInnen zusammen, die ausgestellt oder performt haben. Neben dem Rahmenprogramm mit Beiträgen der Kunstschaffenden haben wir teilweise aus dem Stegreif gejammt. Graffiti KünstlerInnen mit Vocalists, MusikerInnen, die unterschiedliche Instrumente gespielt haben (wie Sithar, Sethar, Harmonium, Percussion) jammten mit LeinwandkünslterInnen und KalligrafInnen, Film mit Klängen, alle vereint auf einer Bühne. Die Stimmung war durchgehend FANTASTISCH! (erlaubt mir dieses Capslocking) Und da man das alles nicht in Worte fassen kann sind hier meine zwei Empfehlungen für euch: schaut Euch unser Video an, falls Ihr es nicht schon getan habt und bewerbt Euch für das nächste MOCAfellows Programm im Dubai 2014!
Wir sind im Herzen zu einer Familie zusammengewachsen und meine Erkenntnis daraus ist: This is my tribe. I finally found you.
Nilgün Akinci
Zahnräder Netzwerk
Team Corporate Design
