Die Erstplatzierten der Zahnräder Bundeskonferenz Deaf-Islam e.V. erzählen uns in einem Interview von ihrem Projekt, ihren Zielen und Visionen. Deaf-Islam e.V. ist ein Verein gegründet von und für gehörlose Muslime im Jahre 2010. Das Interview wurde vom Zahnräder Presseteam mit dem Deaf-Islam Vereinsgründer Ege Karar geführt.

Dies ist das erste Interview einer Interviewserie, die wir mit den beliebtesten Teilnehmer-Projekten der Zahnräder Konferenz 2013 durchgeführt haben.


ZR: Worum geht’s bei deinem Projekt?

Ege Karar: Ziel des Projektes ist es, gehörlosen Muslimen den Zugang zu Informationen zu ermöglichen, die ihnen bisher entweder völlig vorenthalten oder nur sehr schwer zugänglich waren. Um diesem momentan vorherrschenden Umstand entgegenzuwirken, müssen besonders nicht-gehörlose Muslime für die Bedürfnisse sprachlich-kulturell eingeschränkter Glaubensgeschwister sensibilisiert bzw. die diesbezüglichen Informationsdefizite abgebaut werden. So sind z.B. die Freitagsgebete in den Moscheen oder auch die Texte auf Internetseiten im Moment nicht barrierefrei, da sie keine Angebote in Gebärdensprache bereithalten. Unter Barrierefreiheit verstehen wir das Vorhandensein von Gebärdensprachvideos. Das mangelnde Wissen nicht-gehörloser Menschen setzt eine unbegründete Lesekompetenz gehörloser Menschen voraus. Die wenigsten Gehörlosen verfügen über eine solche Kompetenz, die aufgrund eines völlig anderen Sprachsystems nur schwer und -wenn überhaupt- durch eine besondere Förderung zu erreichen ist. Da wir uns auf eine Gruppe beziehen, die größtenteils aus Menschen mit Zuwanderungsgeschichte besteht, dürfen wir nicht für alle ausnahmslos eine solche Förderung voraussetzen.

903119_640203355993438_2138172759_o

ZR Team: Wie kann man euch unterstützen?

Ege Karar: Für die Freitagsgebete benötigen wir Gebärdensprachdolmetscher, die finanziert werden müssen. Hierbei können wir die Unterstützung von denjenigen brauchen, die sich mit dem Akquirieren von Geldern auskennen. In der Umsetzung von barrierefreien Internetseiten wäre die Unterstützung von Programmierern hilfreich. Nicht zuletzt brauchen wir dringend Fachkräfte aus den Bereichen Gebärdensprache, idealerweise Muslime,  und Islamwissenschaft, um die Idee, die hinter unserer Arbeit steckt, produktiv und professionell weiter zu entwickeln. Außerdem wünschen wir uns engagierte Mitglieder, die sich aktiv für gehörlose Geschwister einsetzen, um die muslimische Community in dieser Angelegenheit zu sensibilisieren und sie, so weit es geht, an die Öffentlichkeit zu tragen.

ZR Team: Wohin soll es gehen?

Ege Karar: Unser Ziel ist es, islamische Informationen zeitgleich und im gleichen Umfang zu erhalten, wie es bei hörenden Menschen der Fall ist, da unsere religiösen Pflichten und Verantwortungen genau die gleichen sind und gehörlos zu sein überhaupt kein Hindernis für das Befolgen dieser darstellen darf. Leider werden die meisten Beeinträchtigungen oft schnell in Verbindung mit einer Befreiung von religiösen Pflichten gebracht, was keineswegs der Fall ist. Besonders im Hinblick auf Gehörlose, muss diese Denkweise umgehend beseitigt werden, denn wir haben keine geistige Behinderung, sondern sind eine sprachliche und kulturelle Minderheit.

ZR: Was hast du von der Zahnräder Konferenz 2013 mitgenommen?

Ege Karar: Auf der Zahnräder Konferenz in Heidelberg bin ich mit vielen Experten und Fachleuten in Kontakt gekommen und die Gespräche haben mir gezeigt, dass wir mit unserem Verein „Deaf Islam“ nicht alleine sind, sondern dass viele Menschen hinter und an unserer Seite stehen.

ZR: Was würdest du anderen Projekten/Startups mit auf den Weg geben?

Ege Karar: Wie bei vielen anderen Startups hat man oft Probleme dabei, Mitstreiter zu finden, die man gerade am Anfang dringend nötig hat. Hier muss man sich auf die Suche nach Plattformen machen, bei denen man auf geeignete Unterstützer trifft, um das zu lösende gesellschaftliche Problem effektiv anzugehen. Wenn man die Mitstreiter gefunden hat und einen Plan ausgearbeitet wurde, fehlt es meistens an Geld, um die weiteren Schritte zu gehen. Man muss den Verein bzw. das Projekt bekannt machen, auf verschiedene Veranstaltungen gehen, um weitere Unterstützer zu finden. Meistens sind die Menschen bereit zu helfen, nur muss man das Problem an sie herantragen und diese dafür sensibilisieren. In unserem Fall hat uns das Zahnräder-Netzwerk ermöglicht, einen großen Sprung vorwärts zu machen, Mitstreiter sowie monetäre Unterstützer wurden auf uns aufmerksam oder wurden vermittelt.

ZR: Was ist das Motto, das dich in deiner Arbeit (deinem Projekt) motiviert?

Ege Karar: An-Nu’man ibn Baschir (ALLAHs Wohlgefallen mit ihm) berichtet, dass der Gesandte Allahs (ALLAHs Segen und Frieden mit ihm) sagte:

„Das Gleichnis der Überzeugten in ihrer gegenseitigen Freundschaft und Barmherzigkeit sowie ihrem Mitgefühl füreinander ist wie der Körper eines Menschen: Wenn ein Glied leidet, so leidet der ganze Körper an Schlaflosigkeit und Fieber.“  (Buchari/ Muslim)

311560_645824882097952_297848454_n

Deaf-Islam e.V. auf Facebook: https://www.facebook.com/deafislamev