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Der Zahnräderflash ist ein langfristiger Zustand der Begeisterung, des Mutes, der Kreativität und Inspiration. Im Körper der Betroffenen werden solche Glückshormone ausgestoßen, die sie in diesen dauerhaften Zustand versetzen. Ursache des Zahnräderflashs ist die jährliche Bundeskonferenz des Zahnräder Netzwerkes, die den Infektionszeitraum vom 1. Mai – 3. Mai in Köln hatte. Frei nach dem Motto #unfoldyouridea trafen sich Menschen mit Visionen und Ideen, um sich auszutauschen und letztlich ihre Idee zu entfalten.
Durch kreative und unermüdliche Teilnehmer/innen, atemberaubende Referent/innen mit ihren Keynote Speeches und Workshops, die es den Teilnehmer/innen erlaubten in der Verwirklichung ihrer Träume ein Stück näher zu kommen, wurde letztlich der Flash ausgelöst. Nicht zuletzt hatte auch die tolle Art des Moderationsteams bestehend aus  Nadira Mekic und Nezar Mahmoud großen Einfluss auf die Aufnahmefähigkeit der vielen Inhalte und Informationen. Durch ihre einzigartige Art schafften sie es die Teilnehmer/innen drei Tage lang durch ein straffes Programm zu begleiten und sorgten dafür, dass die diese mit großer Bereitschaft selbst den letzten Tropfen an Konzentrationsfähigkeit dem Programm widmeten.

Der erste Keynote Speaker Van Bo Le – Mentzel, der vor allem bekannt für die Herstellung von Hartz IV Möbeln und den Quadratmeter Häusern ist, verdeutlichte uns allen wie erfolgreich eine simple Idee sein kann. „Wirtschaftlicher Erfolg, der nur durch Ausbeutung erreicht werden kann, und Fairness stehen im Spannungsverhältnis zueinander“ – so Le -Mentzel. Seine Motivation, weshalb er zum Social Enterpreneur wurde und der Gesellschaft einen höheren Wert beimaß als seinem Geldbeutel, war letztendlich sein Gerechtigkeitsgefühl und der Wille nach Fairness bei der Herstellung von Produkten und beim Endverbraucher. Schließlich spricht Le – Mentzel auch darüber, wie kritisch man sich selbst während der Gründungsphase reflektieren muss und so seine Blockaden überwindet. Krampfhaft an allem festhalten ist keine Lösung. Vielmehr muss alles im Fluss geschehen und das gelingt auch, wenn man das tut wofür man eine Leidenschaft hegt, aber dementsprechend auch die Stärke beweist für seine Fehler gerade zu stehen.

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Dass das schwarz-weiß Denken und der dauerhafte Zustand der Untätigkeit keine Probleme löst, erklärt auch der Gründer und CEO von Alchemiya, Navid Akhtar. Der ehemalige BBC Journalist entschied sich nach so viel negativer Berichterstattung über den Islam einerseits und dem Halal – Haram Islam anderseits, den Bedarf der“Global Urban Muslims“ zu decken. Wer sind aber dieser „Global Urban Muslims“? Während viele über Muslime des Westens reden, macht Navid Akhtar allen klar: wir sind Muslime IM Westen und müssen die Gesellschaft mitgestalten. Während Mainstream Medien eher ein negatives Bild des  Islams zeichnen, bringt Alchemiya mit all seinen Dokumentationen den Islam und die muslimische Welt zum glänzen. Berichte über muslimischen Mode, Kunst und Architektur bis hin zu den Erfolgsgeschichten von Muslimen im 21. Jahrhundert und die Entstehung des Korans, Alchemiya produziert und zerstört nicht.

Wie man mit seiner Idee richtig einen positiven Output für die Gesellschaft produziert, lernten die Teilnehmer/innen auch in einzelnen Workshops. Crowdfundig, WordPress, Social Media Stunden, der Begriff und die Gründung eines Sozialunternehmens und zu vielem mehr gab es die Möglichkeit Input aufzusaugen. Die Atmosphäre? Familiär und voller Tatendrang!

Nachdem auch vor der Jury unsere Rookie und Veteran Projekte gepitcht wurden, stehen nach drei Tagen Konferenz unsere Gewinnerprojekte 2015 fest, über die wir auch mehr auf unserer Facebook Page berichten werden.

Gewinnerprojekte in der Kategorie Rookies:

  1. FES – Wohnungsgenossenschaft
  2. Kinder und Medien – der Umgang von Medien in der Familie
  3. Licht – Paten

Gewinnerprojekte in der Kategorie Veterans:

  1. begleithilfe.de
  2. DialogRAUM
  3. Mensch!Westend – die multikulturelle Stadtteilzeitung

All diese Projekte haben eines gemeinsam: sie dienen nicht nur der muslimischen Community, sondern können von jedem in der Gesellschaft in Anspruch genommen und genutzt werden.

Doch nicht nur die Jury kürte Gewinnerprojekte. Auch das Publikum bekam die Chance ihren Favoriten zu nominieren. Mit einem zusätzlichen Publikumspreis wurde das Projekt Licht – Paten gekürt. So stieß die Idee ein Flüchtlingspate zu haben sowohl bei der Jury als auch beim Publikum auf großen Zuspruch. Die junge Studentin Melek Alarslan überzeugte alle Anwesenden in zwei Pitches mit ihrer Vision Flüchtlinge in ihrem Alltag zu begleiten und ihnen Schutz zu gewähren.  Die Jury verlieh ihr den 3. Platz und damit eine finanzielle Unterstützung von 500 € und einem umfangreichen Mentoring.

Als Veteranprojekt entpuppte sich Syrian Refugee Crisis als Publikumsliebling.
Die zwei Brüder Jasser und Omar Kassab konnten das Publikum für sich gewinnen und eroberten im Sturm die Herzen der Teilnehmer. Ihr eigengegründeter Verein setzt sich für syrische Kriegsflüchtlinge vor Ort (Jordanien) ein. Durch gesammelte Spenden von Freunden und Bekannten rufen sie Projekte in den Bereichen Bildung, Nothilfe und medizinische Versorgung ins Leben und unterstützen damit traumatisierte Flüchtlinge.
Zurückblickend befassten sich die Projekte der Zahnräder Bundeskonferenz 2015 überwiegend mit Hilfe und Unterstützung für Flüchtlinge in und außerhalb Deutschlands ein.
Ein Zeichen dafür, dass sich auch das Zahnräder Netzwerk mit hochaktuellen Themen beschäftigt und damit versucht wichtige gesellschaftliche Lücken mit tollen Projekten zu füllen!

Der Zahnräderflash? Das ist im Endeffekt das Produkt der vielen Kreativität und Inspiration, auf die man während der Konferenz stößt. Mut, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft und viel positive Energie ist das, was alle Teilnehmer und Referenten sich gegenseitig geben. Man hat das Gefühl, dass man von nun an ohne Ängste fallen darf, weil man wieder daran erinnert wird, dass der Mensch, der auf sein Ziel zuläuft fallen darf. Fallen, das ist normal und so hat man auch den Mut zu gehen. Denn an diesen Tagen gewinnt man viele neue Freundinnen und Freunde und wird Teil eines Netzwerks voller helfender Hände, die einem wieder hoch helfen, ihn aufrichten und ihm nach jedem Sturz den Staub abklopfen. Denn gehen und fallen ist besser als stehen. Und genau deshalb sind wir Zahnräder, weil Zahnräder sich selbst bewegen, andere dabei in Bewegung setzen, um dadurch die Gesellschaft zu  bewegen. Indem wir unsere Ideen entfalteten und sie vernetzt gestalteten, packte uns der Zahnräderflash: die Euphorie unsere Gesellschaft zu einer besseren zu machen.

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 Bilder: © Tasnim Baghdadi
Text: Merve Gül und Nahla El-Menshawy