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Im Dezember letzten Jahres haben wir zur Wahlurne gebeten und einen neuen Vorstand gewählt. Mit dem Vorstandswechsel geht eine aufregende Zeit für die bisherigen Vorsitzenden zu Ende. In ihrer Amtszeit ist viel geschehen, sie sind an persönliche und an die Grenzen des Netzwerkes gestoßen. Wir haben unserem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden, Said, in einem Gespräch auf den Zahn gefühlt wie seine bisherige Zeit bei den Zahnrädern war. Aber lest selbst…

 

ZRN: Du hast eine aufregende, aber auch spannende Zeit bei dem Zahnräder Netzwerk hinter dich gebracht. Wenn du auf die vergangene Zeit zurück blickst, was hat dich damals dazu bewegt den Posten als Vorstandsvorsitzender zu übernehmen?

SAID: Bevor ich in den Vorstand gewählt wurde, hatte ich mich bereits drei Jahre lang in leitender Funktion engagiert. In dieser Zeit habe ich mich, anders als in meinem Studium, persönlich weiterentwickeln können. Mit der Übernahme des Vorstandspostens von den Gründern, habe ich eine Chance gesehen dem Netzwerk etwas zurückzugeben.

 

ZRN: Du hast von den Gründern ein besonderes Erbe bekommen. Mit welchen Zielen bis du das Amt angetreten? Was wolltest du anders machen als bisher?

SAID: In den ersten Jahren hatte ich das Ziel die bisherigen Aktivitäten mit der Bundeskonferenz im Fokus weiter fortzuführen. In den letzten Jahren jedoch hat mich das Vorhaben motiviert das Netzwerk neu aufzustellen, in dem wir noch genauer unsere gesellschaftliche Wirkung definieren.

 

ZRN: Du sprichst die gesellschaftliche Wirkung des Netzwerkes an. Die Zahnräder haben in den letzten Jahren viel bewegen können. Dies war unter anderem möglich, da das Netzwerk bestimmte Ideale und Vorstellungen in der Gesellschaft angesprochen hat. Welches persönliche Ideal hast du während deiner Zeit im Netzwerk verfolgt?

SAID: Das Zahnräder Netzwerk ist ein Verein, der alleine durch ehrenamtliches Engagement am Leben gehalten wird. Die vielen Engagierten opfern viel Zeit und Mühe und bilden eine sehr verbundene Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft aufrechtzuerhalten war mir immer eine Messlatte.

 

ZRN: Worauf bist du besonders stolz?

SAID: Mich hat die gelebte Toleranz unter den Zahnrädern beeindruckt. Jeder von uns lebt und praktiziert unterschiedliche Glaubensansätze, und wir haben uns stets gegenseitig Räume zugestanden dies zu machen. Diese Toleranz und Vielfalt ist in vielen Aspekten inspirierend.

 

ZRN: Als Vorstandsvorsitzender steht man auch vielen Hürden gegenüber, die man bewältigen muss. Was konntest du in deiner Amtszeit nicht erreichen?

SAID: Der Verein hat viele Potentiale, die noch nicht zur vollen Entfaltung gekommen sind. Eine jüngere Idee von mir war es einen virtuellen Engagement-Atlas zu erstellen, der das Engagement von Muslimen noch sicherbarer gemacht hätte. Viele Mitbürger, gleich ob Muslime oder Nicht-Muslime, könnten dann auf einen Blick sehen wo und wie sich Muslime in ihrer Stadt engagieren.

 

ZRN: Wir haben vorhin über Hürden gesprochen – an welchen Entscheidungen, die du treffen musstest, zweifelst du bis heute?

SAID: Meine selbstkritischer Ansatz lässt mich auf viele vergangene Situation zurückblicke und mich selbst hinterfragen. Ich habe viel Erfahrung in einer Führungsposition gewonnen und wäre rückblickend gern mutiger gewesen mir meine eigenen Grenzen einzugestehen und andere um Unterstützung zu bitten.

 

ZRN: Du sprichst hier einen wichtigen Punkt der persönlichen Entwicklung an. Was hast du in deiner Zeit als Vorstandsvorsitzender noch dazu gelernt?

SAID: Zahnräder verbindet auch viele Muslime, die eine Idee haben und etwas starten wollen. Dieser unternehmerische Geist hat mich inspiriert und lässt mich noch von größeren persönlichen Zielen träumen. Ich habe gesehen wie andere mit ihrem Vorhaben gescheitert sind, aber trotzdem noch die Kurve bekommen haben. Ich finde es wichtig, dass man bei all dem Ernst des Lebens auch über sich und das eigene Scheitern lachen kann. Das habe ich gelernt und habe keine Angst mehr groß zu träumen, weil es mal schief gehen könnte.

 

ZRN: Welche Lehre hast du für dein persönliches Leben gezogen?

SAID: Wir lernen nichts Neues kennen, wenn wir nichts Neues machen.

 

ZRN: Als ein „altes“ Zahnrad, wie bewertest du das Engagement von Muslimen heute?

SAID: Viele Fördertöpfe für Muslime kommen aus dem sogenannten Präventionsbereich, die sich mit der De-Radikalisierung und Prävention von Extremisten beschäftigen. In den letzten Jahren hat diese Finanzierungsquelle die Aufmerksamkeit vieler engagierter Muslime auf sich gezogen – zu viel. Die muslimische Zivilgesellschaft hat ganz andere Bedürfnisse, die einfach nicht bedient werden.

 

ZRN: Wo siehst du das Netzwerk in den nächsten fünf Jahren? Wird so ein Verein noch nötig sein?

SAID: Solange es engagierte Muslime in Deutschland gibt, wird es auch immer eine Frage nach Vernetzung geben. Ich glaube, das wird sich auch in 100 Jahren nicht ändern.

 

ZRN: Du hast in vergangener Zeit viel erlebt und gelernt mit und bei den Zahnrädern. Was würdest du dem neuen Vorstand gerne mit auf den Weg geben?

SAID: Eine zentrale Herausforderung ist es nach wie vor in einfachen Worten zu erklären was Zahnräder bewirken möchte.

 

ZRN: Jetzt kommt deine wohlverdiente „Zahnräder-Rentenzeit“! Wie geht es für dich weiter?

SAID: Mein Papa möchte, dass ich mal für irgendeine Behörde arbeite, ein sicheres Einkommen beziehe und später mal in Pension gehe. Ich muss ihm irgendwie erklären, dass ich Sozialunternehmer werden möchte, keine Ahnung haben woher ich mein Einkommen beziehe und nicht an die Rente glaube… es liegt viel Arbeit vor mir! Dem Zahnräder Netzwerk bleibe ich aber als Beiratsmitglied weiter treu.

 

ZRN: Said, vielen Dank für deine Zeit und dein langjähriges Engagement bei dem Netzwerk! Wir wünschen dir im Namen aller Zahnräder das Beste für die Zukunft und viel Erfolg in deiner beruflichen Laufbahn.