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Meet and Greet mit dem Vorstand: Zahnräder X Hessen läutet das Jahr mit einer Veranstaltung ein

Was steht uns im neuen Vereinsjahr bevor? Welche Änderungen will der neue Vorstand in Angriff nehmen und welche Ziele sollen verfolgt werden? Bei einem Meet and Greet mit dem Vorstand hatten die Gäste und Mitglieder des Zahnräder X Teams in Hessen Gelegenheit den neuen Vorstandsvorsitzenden diese und viele andere Fragen zu stellen.

Zahnräder X Hessen hat sich mit den neuen Vorstandsmitgliedern, Zeynep Alraqeb und Tugba Uzak, in Frankfurt am Main zu Beginn des Jahres getroffen. Unter den insgesamt 20 Teilnehmern, u.a. aus Berlin, Stuttgart, Mainz und Saarbrücken, war auch Ibrahim Kahraman (ehemals Vorstandsvorsitzender 14/15) anwesend. Gemeinsam mit dem Vorstand diskutierten die Teilnehmer einige brennende Fragen: Was ist das Zahnräder Netzwerk? Was zeichnet es aus? Wie erreicht es seine gemeinwohlorientieren Ziele für die Zukunft? Was hat man in der Vergangenheit erreicht?

Das Zahnräder-Netzwerk ist eine neutrale, unabhängige Networking-Plattform von Muslimen für Muslime. Die Mitglieder und Alumni aus den unterschiedlichsten Fachbereichen und Branchen bereichern mit ihrem Know-How das Programm. So wurden bereits in der Vergangenheit viele wertvolle Projekte ins Leben gerufen und jährlich deutschlandweite Konferenzen zu sozialen Projekten organsiert. Das Empowering von innovativen Themen und Social Entrepreneurship steht dabei im Vordergrund. Dieses Jahr startet eine Kooperation mit Engagement Global, gefördert  vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Die gemeinsamen Ziele für die Jahre bis 2030,  wie z.B. „Bekämpfung der Armut/Hungersnöte“, „Gewährung von hochwertiger Bildung“, „Zugang zu Energie verbessern“ oder „Bekämpfung des Klimawandels“, wurden in einem 17-Punkte-Programm zusammengefasst. Dieses Jahr steht bei dem Zahnräder Netzwerk das Thema Nachhaltigkeit im Vordergrund. Dank der Förderungen und Kooperationen wird das Netzwerk hoffentlich wichtige Meilensteine setzen und das Thema im Kontext muslimischen Engagements positionieren.

Was hat das Netzwerk denn in der Vergangenheit geleistet?

Die Projekte wurden und werden grundsätzlich mit Mentoring und finanziellen Mitteln gefördert.  Durch die Unterstützung des Netzwerks an NourEnergy konnte das Budget für den Bau eines Waisenhaus in Afghanistan vollendet werden. Auch die Arbeit mit Defislam und Süßwasser e.V. gehören zu vergangenen Errungenschaften. Doch auch Konferenzen wie z.B. von vor zwei Jahren zur Flüchtlingsthematik fanden statt. Die Konferenzidee wird weiterhin ausgeführt, allerdings zukünftig öfter und lokaler.

Im kommenden Herbst 2018 soll es schon die nächste deutschlandweite Zahnräder Netzwerk Konferenz geben. So, stay tuned.

„Zahnräder hat uns Freunde fürs Leben geschenkt.“ – Interview mit dem neuen Vorstand

 

Seit dem 09.12.2017 vertreten zwei motivierte Frauen unser Zahnräder Netzwerk- Tugba Ilhan und Zeynep Alraqeb. Wir haben ihnen einige brennende Fragen aus der Zahnräder Community gestellt. Unter anderem erfahrt ihr was die beiden antreibt und welche Pläne und Wünsche sie für die Zukunft des Netzwerks mitbringen.

 

ZRN: Mit der Wahl als Vorstandsvorsitzende hat für euch eine spannende und herausfordernde Zeit begonnen. Was hat euch dazu inspiriert den Vorstandsposten zu übernehmen?   

Zeynep: Ein kurzer Rückblick auf das was das Netzwerk bisher ermöglicht und verändert hat – sei es unsere Gesellschaft zu bereichern oder den Lebensweg von einzelnen Menschen zu verändern. Die Idee und Arbeit des Zahnräder Netzwerkes weiterzuführen und weiterhin Zukunftsgestalter miteinander zu verknüpfen, etwas Großes zu schaffen, ist für mich Inspiration und Motivation mehr Verantwortung zu übernehmen.
Tugba: Ich glaube an das Potenzial des Netzwerks und denke, dass wir uns nur durch den Zusammenhalt von selbständigen und aktiven Muslimen in der Gesellschaft positionieren können.

ZRN: Ihr habt nun einige Zeit im Vorstandsposten hinter euch – seid ihr noch hochmotiviert dabei oder musstet ihr bereits einige schwierige Herausforderungen meistern?

Zeynep: Mehr Verantwortung bringt immer mehr Herausforderungen mit sich – große und kleine. Diese auf neue, kreative, innovative und vielleicht vorher unvorstellbare Wege zu meistern, ist hochspannend und sehr motivierend.
Tugba: Es wird weiterhin eine große Herausforderung bleiben bei einem rein virtuellen Netzwerk die Motivation zu erhalten. Wir wollen mehr offline Veranstaltungen planen, um den Zusammenhalt zu stärken. Auch wenn es sich ohne Vereinsräume schwieriger gestaltet, bin ich sicher, dass wir das Ziel auch erreichen.

ZRN: Euer Engagement bei ZRN ist… eine Herzenssache, Kampf um Ideale oder guter Punkt im Lebenslauf?

Vorstand: Definitiv eine Herzenssache. Zahnräder hat uns Freunde fürs Leben geschenkt. Dafür können wir nicht genug dankbar sein. Und natürlich Wissen. Wir habe so viel gelernt – und hoffen sehr, dass wir vieles auch weitergeben können.

ZRN: Welche persönlichen Ziele habt ihr euch für die Vorstandszeit gesetzt?

Zeynep:  Menschen bewegen. Sie verbinden. Veränderung in der Gesellschaft fördern.
Tugba: Als Berlinerin möchte ich mehr reisen und die Zahnräder live treffen. Diese Eindrücke und neuen Impulse helfen mir sehr bei meiner Arbeit. Zuletzt war ich in Frankfurt und war begeistert von den Teilnehmern.

 

ZRN: Was soll sich im Netzwerk, eurer Meinung nach, dringend ändern?

Vorstand: Wir sollten unseren gesamten Fokus nicht nur auf eine Konferenz legen, sondern über das Jahr verteilt mehrere Veranstaltungen und Workshops planen. 2018 muss Zahnräder mehr präsent sein! Wir wollen uns mehr offline vernetzen und uns austauschen.

ZRN: Was wird sich, eurer Meinung nach, im Netzwerk niemals ändern?

Zeynep: „Zahnräder-after-conference-feeling“ (aka extrem inspiriert, fasziniert, neue tolle Menschen kennengelernt, müde und unbeschreiblich glücklich auf die kommende gemeinsame Zeit und etwas traurig, dass man zurück zum „normalen“ Alltag muss…).
Tugba: Die Frage ob Skype oder Hangout …

ZRN: Welche Frage stellt ihr im Netzwerk am häufigsten?

Zeynep: Was und wie können wir gemeinsam etwas bewegen, uns gegenseitig helfen und vorankommen?
Tugba: Was denkst du darüber? Mir ist es sehr wichtig verschiedene Meinungen einzuholen und den Status quo immer zu hinterfragen.

 

ZRN: Ihr habt euch für Nachhaltigkeit als thematischen Schwerpunkt für das Vereinsjahr entschieden. Wie wollt ihr das Thema im Netzwerk positionieren?

Vorstand: Nachhaltigkeit zu fördern und zu schaffen ist im und außerhalb des Netzwerks eine Kernbotschaft. Egal ob ökonomische, soziale, ökologische und/ oder religiöse Bereiche Wir wollen nicht nur Veränderung in der Gesellschaft und beim Einzelnen, sondern stets nachhaltige Veränderung. Schließlich sind wir Zahnräder. Wir müssen uns bewegen. Immer.
Im Herbst 2018 wird das Zahnräder Netzwerk erstmals in Kooperation mit dem BMZ und Engagement Global eine bundesweite Konferenz zu den 17 Nachhaltigkeitszielen, den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen veranstalten, auf der hoffentlich mehr als 100 Teilnehmer zusammenkommen werden. Die Agenda 2030 schafft die Grundlage dafür, weltweiten wirtschaftlichen Fortschritt im Einklang mit sozialer Gerechtigkeit und im Rahmen der ökologischen Grenzen der Erde zu gestalten.

ZRN: Wie wollt ihr im Zahnräder Netzwerk Nachhaltigkeit fördern?

Vorstand: Konkret in dem wir für aktive Mitglieder Workshops oder Seminare anbieten zu Themen wie Innovation, Wirtschaft, Weiterentwicklung, Empowerment und Stärkung von Soft-Skills. Eine weitere Kernaufgabe des Vorstands ist es, die Vision zu gestalten und die Definition von Zielen sowie deren Erreichung nachhaltig zu verfolgen. Der Vorstand muss das große Ganze im Blick haben und für die Nachhaltigkeit sowie langfristige Gestaltung eintreten.

ZRN: Das klingt definitiv sehr spannend! Aber nun wollen wir etwas mehr von euch erfahren. Wer ist euer persönlicher Held?

Vorstand: Sehr viele. Je mehr wir auf tolle Menschen treffen, desto mehr Helden finden wir- vor allem im Zahnräder Netzwerk.

 

ZRN: Traditionen oder Neuanfang wagen?

Vorstand: Je nachdem. Traditionen sind genauso wichtig wie Neuanfänge. Manchmal muss man sich von altem loslösen können.

 

ZRN: Wen wolltet ihr aus dem Netzwerk schon immer mal persönlich treffen?

Vorstand: Am liebsten alle und vor allem diejenigen, deren Stimmen man aus den Telefonkonferenzen kennt, aber nie persönlich begegnet ist.

 

ZRN: Was macht ihr, wenn ihr nicht gerade arbeitet?

Zeynep: Lesen, reisen, lachen – mit Familie und Freunde.
Tugba: Ich koche sehr gerne und höre dabei Podcast das entspannt mich sehr.

ZRN: Mit einem Blick in die Zukunft – wo seht ihr das Netzwerk in 5 Jahren? Und in 10?

Vorstand: 2030: Zahnräder veranstaltet eine Konferenz in London mit Menschen aus aller Welt.
ZRN: Danke, dass ihr euch Zeit für uns genommen habt. Wir wünschen euch beiden viel Erfolg und Vergnügen in eurer Amtszeit und freuen uns in Zukunft mehr von euch zu hören.

 

By |Montag, 1 Januar, 2018|News|0 Comments

Interview Said – Von Toleranz und Engagement

 

Im Dezember letzten Jahres haben wir zur Wahlurne gebeten und einen neuen Vorstand gewählt. Mit dem Vorstandswechsel geht eine aufregende Zeit für die bisherigen Vorsitzenden zu Ende. In ihrer Amtszeit ist viel geschehen, sie sind an persönliche und an die Grenzen des Netzwerkes gestoßen. Wir haben unserem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden, Said, in einem Gespräch auf den Zahn gefühlt wie seine bisherige Zeit bei den Zahnrädern war. Aber lest selbst…

 

ZRN: Du hast eine aufregende, aber auch spannende Zeit bei dem Zahnräder Netzwerk hinter dich gebracht. Wenn du auf die vergangene Zeit zurück blickst, was hat dich damals dazu bewegt den Posten als Vorstandsvorsitzender zu übernehmen?

SAID: Bevor ich in den Vorstand gewählt wurde, hatte ich mich bereits drei Jahre lang in leitender Funktion engagiert. In dieser Zeit habe ich mich, anders als in meinem Studium, persönlich weiterentwickeln können. Mit der Übernahme des Vorstandspostens von den Gründern, habe ich eine Chance gesehen dem Netzwerk etwas zurückzugeben.

 

ZRN: Du hast von den Gründern ein besonderes Erbe bekommen. Mit welchen Zielen bis du das Amt angetreten? Was wolltest du anders machen als bisher?

SAID: In den ersten Jahren hatte ich das Ziel die bisherigen Aktivitäten mit der Bundeskonferenz im Fokus weiter fortzuführen. In den letzten Jahren jedoch hat mich das Vorhaben motiviert das Netzwerk neu aufzustellen, in dem wir noch genauer unsere gesellschaftliche Wirkung definieren.

 

ZRN: Du sprichst die gesellschaftliche Wirkung des Netzwerkes an. Die Zahnräder haben in den letzten Jahren viel bewegen können. Dies war unter anderem möglich, da das Netzwerk bestimmte Ideale und Vorstellungen in der Gesellschaft angesprochen hat. Welches persönliche Ideal hast du während deiner Zeit im Netzwerk verfolgt?

SAID: Das Zahnräder Netzwerk ist ein Verein, der alleine durch ehrenamtliches Engagement am Leben gehalten wird. Die vielen Engagierten opfern viel Zeit und Mühe und bilden eine sehr verbundene Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft aufrechtzuerhalten war mir immer eine Messlatte.

 

ZRN: Worauf bist du besonders stolz?

SAID: Mich hat die gelebte Toleranz unter den Zahnrädern beeindruckt. Jeder von uns lebt und praktiziert unterschiedliche Glaubensansätze, und wir haben uns stets gegenseitig Räume zugestanden dies zu machen. Diese Toleranz und Vielfalt ist in vielen Aspekten inspirierend.

 

ZRN: Als Vorstandsvorsitzender steht man auch vielen Hürden gegenüber, die man bewältigen muss. Was konntest du in deiner Amtszeit nicht erreichen?

SAID: Der Verein hat viele Potentiale, die noch nicht zur vollen Entfaltung gekommen sind. Eine jüngere Idee von mir war es einen virtuellen Engagement-Atlas zu erstellen, der das Engagement von Muslimen noch sicherbarer gemacht hätte. Viele Mitbürger, gleich ob Muslime oder Nicht-Muslime, könnten dann auf einen Blick sehen wo und wie sich Muslime in ihrer Stadt engagieren.

 

ZRN: Wir haben vorhin über Hürden gesprochen – an welchen Entscheidungen, die du treffen musstest, zweifelst du bis heute?

SAID: Meine selbstkritischer Ansatz lässt mich auf viele vergangene Situation zurückblicke und mich selbst hinterfragen. Ich habe viel Erfahrung in einer Führungsposition gewonnen und wäre rückblickend gern mutiger gewesen mir meine eigenen Grenzen einzugestehen und andere um Unterstützung zu bitten.

 

ZRN: Du sprichst hier einen wichtigen Punkt der persönlichen Entwicklung an. Was hast du in deiner Zeit als Vorstandsvorsitzender noch dazu gelernt?

SAID: Zahnräder verbindet auch viele Muslime, die eine Idee haben und etwas starten wollen. Dieser unternehmerische Geist hat mich inspiriert und lässt mich noch von größeren persönlichen Zielen träumen. Ich habe gesehen wie andere mit ihrem Vorhaben gescheitert sind, aber trotzdem noch die Kurve bekommen haben. Ich finde es wichtig, dass man bei all dem Ernst des Lebens auch über sich und das eigene Scheitern lachen kann. Das habe ich gelernt und habe keine Angst mehr groß zu träumen, weil es mal schief gehen könnte.

 

ZRN: Welche Lehre hast du für dein persönliches Leben gezogen?

SAID: Wir lernen nichts Neues kennen, wenn wir nichts Neues machen.

 

ZRN: Als ein „altes“ Zahnrad, wie bewertest du das Engagement von Muslimen heute?

SAID: Viele Fördertöpfe für Muslime kommen aus dem sogenannten Präventionsbereich, die sich mit der De-Radikalisierung und Prävention von Extremisten beschäftigen. In den letzten Jahren hat diese Finanzierungsquelle die Aufmerksamkeit vieler engagierter Muslime auf sich gezogen – zu viel. Die muslimische Zivilgesellschaft hat ganz andere Bedürfnisse, die einfach nicht bedient werden.

 

ZRN: Wo siehst du das Netzwerk in den nächsten fünf Jahren? Wird so ein Verein noch nötig sein?

SAID: Solange es engagierte Muslime in Deutschland gibt, wird es auch immer eine Frage nach Vernetzung geben. Ich glaube, das wird sich auch in 100 Jahren nicht ändern.

 

ZRN: Du hast in vergangener Zeit viel erlebt und gelernt mit und bei den Zahnrädern. Was würdest du dem neuen Vorstand gerne mit auf den Weg geben?

SAID: Eine zentrale Herausforderung ist es nach wie vor in einfachen Worten zu erklären was Zahnräder bewirken möchte.

 

ZRN: Jetzt kommt deine wohlverdiente „Zahnräder-Rentenzeit“! Wie geht es für dich weiter?

SAID: Mein Papa möchte, dass ich mal für irgendeine Behörde arbeite, ein sicheres Einkommen beziehe und später mal in Pension gehe. Ich muss ihm irgendwie erklären, dass ich Sozialunternehmer werden möchte, keine Ahnung haben woher ich mein Einkommen beziehe und nicht an die Rente glaube… es liegt viel Arbeit vor mir! Dem Zahnräder Netzwerk bleibe ich aber als Beiratsmitglied weiter treu.

 

ZRN: Said, vielen Dank für deine Zeit und dein langjähriges Engagement bei dem Netzwerk! Wir wünschen dir im Namen aller Zahnräder das Beste für die Zukunft und viel Erfolg in deiner beruflichen Laufbahn.

By |Montag, 25 Dezember, 2017|News, Veranstaltungen|0 Comments

Zahnräder Podiumsdiskussion 2017 – Engagement von Muslimen in Deutschland. Zwischen Chancen und Grenzen

„Wir können etwas bewegen!“ mit diesen Worten eröffnet Kübra Gümüşay in ihrer Keynote die Podiumsdiskussion zum Engagement von Muslimen in Deutschland. Sie zeichnet ein Bild des Glaubens an Veränderlichkeit, einer besseren Zukunft und des ‚Muslim Empowerment‘; doch betont auch das Gefühl der Ausnahmesituation vieler Muslime in Deutschland. Es ist das Gefühl einer fehlenden Stabilität und der Garantie einer besseren Zukunft. Sie bezeichnet es als ‚Hoffnungslosigkeit junger Muslime zwischen Rassisten und Fundamentalisten‘. Viele verfallen in Frustration über die Debatten um Missstände und ihrer Position als ‚Islamerklärbär‘ in der Gesellschaft, der wie ein innerer Zwang Islam zu erklären wahrgenommen wird. Sie stellt auch die Frage, ob es uns an Individualität fehle. Schuld daran sei eine Obsession mit öffentlichem Islambild. Eine Entwicklung, bei dem das radikale Recht „Ich zu sein“ im Spannungsverhältnis mit der Last des „ihr-seins“ steht. Man sei immer noch das Subjekt, auf den ein großes Konstrukt symbolisch geladen wird und trage die Last als Stellvertreter Konzepte verständlich nahezubringen. Es klingt nach einem Gefühl der Ohnmacht und Frustration nicht voranzukommen und immer wieder die gleichen Diskussionen zu führen. Ein Beigeschmack, der sich in der Podiumsdiskussion wiederholt. Was Kübra als „Zahnräder-Flash“ bezeichnet, das Zusammenkommen engagierter Mitglieder der muslimischen Community über alle Grenzen hinweg, erscheint als ein Funken Hoffnung in der Keynote. Sie appelliert darauf, dass man sich vom ‚Islamerklärbär‘ zum Storyteller entwickelt, neue Wege geht, Türen öffnen und diese offen hält für andere, die danach kommen – so wie es die Generationen vor uns gemacht haben. Sie erkämpften vieles, was für uns heute eine Selbstverständlichkeit sei. Man solle Menschlichkeit durch Solidarität erkämpfen und Solidarität heiße solidarisch sein mit anderen marginalisierten Gruppen. Der ‚Zahnräder-Flash‘ blieb auf der Veranstaltung leider aus. Stattdessen entwickelte sich eine sachliche Diskussion schnell zu einem emotional geladenen Thema. Frustrierte Stimmen aus dem Publikum malen ein schwarzes Bild der deutschen Gesellschaft und Politik. Ein Hoffnungsschimmer erklang aus dem Publikum, bei dem eine Teilnehmerin besagte „Man soll sich auch bei etwas engagieren, was nicht den persönlichen Hintergrund ausmacht!“. Zudem erschien es auch, dass alle aufgezeigten Grenzen der entwicklungsbedürftigen Integrationspolitik in Deutschland zu Schulden seien. In einem Rückblick möchten wir mit euch die Inhalte der Podiumsdiskussion reflektieren: Wie geht man mit Shitstorm um? Auf die einleitende Frage der Diskussion antwortet Farah Bouamar aus dem Datteltäter-Kollektiv mit persönlichen Erfahrungen. Sie gründeten das Satirekollektiv auf YouTube um Parole zu bieten. Dafür wählten sie Humor als Methode, den sie als ‚universelle Sprache‘ verstehen. Man wollte ein eigenes Bild kreieren mit einer eigenen Narration. Ob sie bisher an Grenzen gestoßen sind? Nein, aber man habe einige emotionale Grenzen erreicht, die man als Lehre mitnahm und Antrieb für weiteres Engagement. Ihre Methode gegen Shitstorm? „Mit Humor angehen!“ Negative Kommentare nehme man als Impuls für neue Videos. Auch Kübra Gümüşay hat Erfahrungen mit Shitstorms gemacht. Der Verlauf und das Aufkommen von Shitstorms sei für sie jedoch der fehlenden Reaktion der sozialen Plattformen zu verschulden: „Es fehlt eine bessere Reaktion der Plattformen als Prävention von Shitstorms.“ Sie tragen hierbei keinerlei Verantwortung. Sie geht auch auf den Subtext von Shitstorms ein, die immer noch Instrument der Projektion des Hasses aus eine ‚Person als Platzhalter‘ dienen. Man werde immer noch pauschalisiert als Islamist abgestempelt. Gründe dafür sieht sie in der Unbelesenheit lauter Kritiker zu solchen Themen.  Sie fordert „mehr Kritik an laute Kritiker!“ Engagement als Bestandteil muslimischer Kultur? Wo liege der Ursprung für Grenzen und Hürden? Prof. Dr. Naika Foroutan, Professorin für Integrationsforschung und Gesellschaftspolitik an der Humboldt-Universität zu Berlin, sieht bei Muslimen den Vorteil, dass auf ein Forum hoffen können solche Erfahrungen zu teilen. Von der Diskriminierung im Alltag seien bei weitem nicht nur Muslime betroffen. Viele unterschiedliche Gruppen der Gesellschaft seien gleichermaßen betroffen, was wiederum viele weitere Faktoren in sich zusammenfasst. Allgemein sei Deutschland nicht gut aufgestellt mit Diskriminierung umzugehen. Es bestehe großer Nachholbedarf. In wissenschaftlichen Untersuchungen haben sie einen Paradox der Integration entdeckt – große Sichtbarkeit führt zu zunehmender aggressiver Stimmung. Was die Gesellschaft noch nicht reflektiert habe sei der Wandel Deutschlands zu einem Einwanderungsland. Serap Güler, Staatssekretärin für Integration, betont, dass bürgerliches Engagement entscheidend für Politik und die Demokratie sei. Natürlich gäbe es auch ein großes Engagement in Moscheen ebenso wie in Kirchengemeinden. Kritik müsse hier Maß kennen! Es gäbe scheinbar weniger Engagement muslimischer Gemeinden im Vergleich zu christlichen, da weniger finanzielle Mittel zur Verfügung stünden. Sie warnt hier vor einer Generalkritik. Dr. Naika Foroutan unterstreicht das Engagement muslimischer Gemeinden vor allem in der Flüchtlingsarbeit. Die mehrheitliche Flüchtlingsarbeit werde von Bürgern mit Migrationshintergrund geleistet. Andere Bevölkerungsgruppen verzeichnen weniger Bereitschaft zur Nähe und ein Gender Diskurs sei hier auch nicht zu vernachlässigen. Wandel durch Diskurs? Kübra Gümüşay stellt heraus, dass ein Wandel mit Sichtbarkeit erreicht werden könne. Es sei ein erster Schritt Richtung Normalisierung. Die Grundlegend zunehmende Akzeptanz konnte dank Diskussionsforen wie diesen erreicht werden. Doch gleichzeitig fordert sie: „Wir müssen aufhören Debatten zu führen!“ Für sie fühlen sich Muslime verpflichtet Islam zu erklären und dieses Verantwortungsgefühl sei wiederum ein Treiber für soziale Engagement. Hier steht jedoch die Frage offen, ob das tatsächlich der Antrieb für die Mehrheit der muslimischen Bürger ist. Dr. Naika Foroutan warnt vor einem Abbruch des Diskurses. Werfe man einen Blick auf den Dreamer-Diskurs in den USA, erkenne man auch dass Agency schütze. Solche Situationen in 10-15 Jahren undenkbar? Auf die Frage, ob solche Tendenzen in 10 bis 15 Jahren undenkbar sein werden, entgegnet Serap Güler, dass die Benennung der Religionsgruppe Moslem „nervig“ sein. „Man wird immer potentieller Terrorist bleiben!“ Der heutige Rechtsradikalismus sei beschämend und ein politisches Programm sei auf allen Ebenen wichtig und notwendig. Hierfür seien auch strukturelle Veränderungen elementar wichtig. Man bräuchte verbindliche Forderungen der Integrationspolitik und müsse rhetorische Signale der Vielfältigkeit senden. Ein großer Fehler sei in den Strukturen zu verzeichnen. Man bräuchte diskriminierungsfreie Verfahren wie zum Beispiel bei der Einstellung von Beamten. Kübra Gümüşay fordert ebenfalls eine Vielfalt auch auf hohen Ebenen. Strukturelle Veränderungen sollen nachhaltig gemacht werden im Diskurs mit muslimischen Bürgern. Dr. Naika Foroutan betont die Notwendigkeit einer Politik, in der das Sukzessive kontinuierlich abgebaut werde. Hierfür bräuchte man eine „Integrationspolitik für alle!“ Immerhin entscheide heute noch der Name vom ersten Tag an über Über- und Unterschätzung. „Die Lehrerausbildung in Deutschland muss sich verändern!“ Auf der internationalen Ebene sei die deutsche Integrationspolitik nicht mehr tragwürdig: „Abschieben auf Subjektive können wir uns nicht mehr leisten.“ Stattdessen spricht sie von einer Bewegung in Richtung für ‚alle‘, einer einheitlichen Integrations- und Antidiskriminierungspolitik für alle Bevölkerungsgruppen. Für Serap Güler fehlen Aktionen für den Wandel zu einem Einwanderungsland, jedoch habe sich die öffentliche Wahrnehmung zu dem Thema in 10 Jahren weiterentwickelt und eine neue Integrationsperspektive geschaffen. Bestimmt ein Pass eine Identität? Die Diskussion über die doppelte Staatsbürgerschaft in Deutschland ruft gemischte Reaktionen in der Diskussionsrunde auf. Naika Foroutan positioniert sich in der Diskussion: „Wenn es schiefläuft, möchte ich die Möglichkeit haben abzuhauen und möchte meinen Kindern die Möglichkeit bieten.“ Serap Güler hingegen sieht in dieser Aussage Schwächen und warnt vor ‚Schwarzmalerei‘: „Ich bin auch bereit für mein Land (Deutschland) gegen sowas wie die AfD vorzugehen!“ Brauchen wir Politik speziell für Muslime? Auf die Frage des Publikums, ob Politik nicht die größte Verantwortung trage, entgegnet Serap Güler, dass die Gesellschaft immer noch der wichtigste Akteur sei. „Wenn wir Vielfalt wollen, müssen wir Sie überall einführen.“ Das sei nur möglich mit Beteiligung der Gesellschaft und einer klaren Formulierung von Forderungen. Eine weitere Frage des Publikums hinterfragt warum man von einer gelungenen Integration trotz vorhandener Erfolge nicht sprechen könne. Naika Foroutan weist hier nochmal darauf hin, dass Integration alle betreffe und nicht nur selektive Gruppen. Die strukturelle Veränderung hinke immer noch hinterher. Und sie stellt die Frage in den Raum, ob Sichtbarkeit die Leute provoziere. Kübra Gümüşay weist auf die Chancen dieser Sichtbarkeit hin: „Man muss mitbestimmen und selber Forderungen aussprechen.“ Das Parteiprogramm der AfD bleibt auch in der Fragerunde ein relevantes Thema. Ein Gast weist auf die ‚Verharmlosung‘ ihres Programms und Strategien hin. Sie fühle sich wie zur Zeiten des Nationalsozialismus und Antisemitismus. Für Serap Güler zweifelslos ein krasser Vergleich. Eine Wiederholung der Vergangenheit werde heute nicht zugelassen und man solle hierbei auf die Demokratie vertrauen. Sie warnt nochmals vor einer ‚Schwarzmalerei‘ der derzeitigen Zustände in Deutschland. Wir danken allen Teilnehmern und Gästen der Podiumsdiskussion für ihre wertvollen Beiträge und Denkanstöße. Ein besonderer Dank geht auch an das Organisations-Team für ein abwechslungsreiches und spannendes Rahmenprogramm am Wochenende der Veranstaltung sowie an das Kernteam und den Vorstand für ihre Unterstützung. Die Organisation der Podiumsdiskussion übernahm das Team bestehend aus Assad Dar, Hilâl Göksu, Ammar Çoban, Ilias Bakali und Esra Eres.

By |Samstag, 23 September, 2017|News|0 Comments