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Alle Räder führen nach Bayern – #beamaker

Durch den malerischen Nordwesten Münchens schallt in diesen Tagen eine entschieden aber motivierend ertönende Aufforderung: #beamaker! Geballter Ansporn hinter ein kleines Sonderzeichen gepresst, macht er schon Wochen und Monate vor Beginn der sechsten Zahnräderkonferenz eine beachtliche Runde durch die soziale Netzwerklandschaft, lässt mit jedem Posting und jeder SaveTheDate-Grafik ein kleines Stückchen mehr Aufregung zurück, und vor allem ein großes Stück an Freude.

Denn der Mai begann gut und trat mit Vorfreude im Gepäck hervor, das Pfingstwochenende richtete sich derweil mit seiner Ankunft für eines der spannendsten Events dieses Jahres her. Ambitionierte Menschen aus allen Ecken Deutschlands trafen sich vom 13. bis zum 16.Mai im Münchner Umland, machten eine behagliche Idylle zu einem dynamischen Dreh-und Angelpunkt des Social Enterpreunerships. Keynote SpeakerInnen, ReferentInnen, StartUps, InteressentInnen und Teilnehmende – sie alle kamen mit verschiedensten Visionen, Einfällen und Gedanken, gebündelt und geschliffen, um sie dem Ideenpool der Zahnräder zuzuwerfen und aus vielen einzelnen Impulsen eine große treibenden Kraft zu kreieren.

Wuppertal, Petershagen, Heidelberg, Berlin, Köln, München

Am Freitag also begann die langersehnte Konferenz, die sechste im Bunde und Nachfolgerin fünf sich selbst übertreffender Organisationen. Es schien, München wusste von der Vorfreude. Das Wetter spielte überraschend gut mit, außer ein paar milden Brisen schien die Sonne durch. Gegen Mittag fuhren die ersten Autos vor, die ersten Teilnehmenden trafen ein und wurden vom Empfangskomitee mit breitem Lächeln und vorbereiteten Namenslisten begrüßt. Alles lief in akkurater Sorgfalt und nach Ablauf, trotzdem lag die Stimmung in einer angenehm lockeren Zwanglosigkeit, viele Bekannte sahen sich nach langer Zeit wieder, viele noch Fremde lernten sich kennen. In der Luft lag Wiedersehen und Aufeinandertreffen, die Geräuschskulisse passte sich mit den herzhaften Lachern, dem aufgeregtem Gemurmel und leicht hektisch eilenden Schritten der Gesamtstimmung der Auftaktsveranstaltung an, die mit einer kurzen Begrüßungsrede des Konferenzleiters Ismar Nesiren und der Vorstellung des Konferenzteams begann.

Unser Social-Media Team war auch dieses Jahr vollstens beschäftigt, sorgte fleißig für die virtuelle Anwesenheit aller. Auf Handyscreens wurde ununterbrochen getippt, die Kamerauslöser im Minutentakt zum Knipsen gebracht, Smartphones zum gewissenhaften Aufnehmen aller schönen Momenten – und von diesen gab es reichlich – in die Höhe gehoben. Neben Facebook, Instagram und Twitter reihte sich dieses Jahr zum ersten Mal auch die Messaging-App Snapchat ein, mit der Nutzer fast stündlich den Ablauf der Konferenz verfolgen konnten; von den Zwischenpausen, den Workshops bishin zu lustigen 1Minute-Einzel-Interviews Teilnehmender auf ausgeklügelte Fragen unserer diesjährigen Snapchatterin Sumeyya Soylu.

Was bei solchen Veranstaltungen, vor allem wenn sie mehrtägig sind, mit der bedeutsamste Faktor ist, sind die Moderatoren. Ihr Auftreten und ihre Art zeichnen den Verlauf aus und sind entscheidend für die durchgehende Atmosphäre der Gesamttreffs. So war es umso erfreulicher, dass Gülçimen Güven und Ümit Konuray die Moderatorrolle mit Bravour über die Zahnräderbühne brachten. Getreut dem diesjährigen Motto interagierten sie mit dem gespannten Publikum, boten immer mal wieder das Mikro an und ermutigten so zur regen Teilnahme, wodurch die Position jedes Einzelnen als ein bedeutender Teil des Gesamtgefüges, aber auch als potenzieller und individueller Maker gekonnt betont wurde. 

Wer sagt Team und Individuum seien widersprüchlich?

Die perfekte Mischung aus Teamspirit und individueller Geist war das erfolgreiche Rezept des Konferenzwochenendes. So fruchteten auf leerem Boden durch die Aufteilung der Teilnehmenden in 10 Gruppen herausragende 10 Ideen, 10 mögliche Projekte. Es wurde viel geschrieben, gezeichnet, gepinnt. Doch besonders viel wurde gebrainstormt. Wenn so viele kluge Köpfe zusammenkommen, sich mit völlig unterschiedlichen Expertisen involvieren, kann es schon leichtens zu einem Feuerwerk der Eingebungen kommen. Daher fiel es denkbar schwer unter allen Projektideen einen Sieger festzulegen. Die Wahl fiel schlußendlich auf optimosque – was dann ein ganzes Jahr an Mentoring gewann.

In diversen Workshops wurden zudem Fragen diskutiert, eine angenehm freundschaftliche Ebene für den bereichernden Ideen- und Meinungsaustausch hergestellt. Dabei konnten die Themenbereiche nicht unterschiedlicher ausfallen. Als Triebfeder und Speaker fungierten auch dieses Mal tolle Persönlichkeiten wie Shai Hoffmann und Florian Hoffmann, inspirierten mit ihren packenden Vorträgen, kurbelten den Motivationspensum mit kraft- und energievollen Worten noch einmal auf das Maximum an.

Neben diesen fesselten auch die StartUp- und ProjektinitiatorInnen das Publikum mit klugen Präsentationen und gehaltvollen Projekten. Dieses Jahr wurde erstmals auch Geflüchteten Raum für Projektideen geboten. Auch hier fiel die Siegerkürung bei der breiten Spitzenauswahl nicht minder schwer:

StartUps:

1.Platz: EDC&C

2.Platz: Unfilterne

3.Platz: WoW

Newcomer:

1.Platz: Restart

2.Platz: Arduino & Programming for Refugees

3.Platz: Recht auf Uni

Zum Abschluss der faszinierend aber doch erschöpfenden Tage, stand der bis ins Detail hinein wundervoll konzeptionierte Gala Abend an. Die Bühne bot Platz für musikalisches Talent wie dem starken Gesang von Nadina Memagic und einem fast schon märchenhaften Harfe Vorspiel von Houda El-Messari. Während im Hintergrund schönstmöglichste Live-Musik lief, konnten die ZahnräderInnen noch ein letztes Mal an diesem Abend bei angenehmstem Flair netzwerken und die Stimmung genießen, bevor es dann am Montag hieß: Time to say goodbye.

Aber, es war ja ohnehin nur ein Abschied auf Zeit. Der nächste Zahnräderflash kommt bestimmt.

Wir beglückwünschen die Sieger und alle StartUp- und ProjektinitatorInnen, danken dem Konferenzteam der 6. Zahnräderkonferenz für ein erneutes Übertreffen, neues Überragen und positives Überraschen im wunderschönen München – und allen Teilnehmenden, ohne die sich eine noch so perfekt geplante Konferenz niemals zu solch einem denkwürdigen Flash entwickeln könnte.

 

By |Donnerstag, 26 Mai, 2016|News|0 Comments

Interview #ZINWO

Die Interviewreihe der Projekte unserer Zahnräderkonferenz geht mit dem Startup-Projekt „ZINWO“ in die nächste Runde. Das Startup erstrebt und erarbeitet die Gründung einer zinsfreien Investment- und Wohnungsgenossenschaft. Interessiert? Das Interview gewährt einen spannenden Einblick in die Arbeit des „ZINWO“-Teams!

ZR: Lieber Ismar, stelle dich bzw. stellt euch in maximal 5 Sätzen persönlich vor.
Wir sind engagierte Akademiker, multinational und multireligiös, mit unterschiedlichsten Backgrounds und Berufserfahrungen. In München lebend, sind wir seit mehreren Jahren ehrenamtlich in diversen Organisationen tätig. Unser Ziel ist es eine zinsfreie Investment- & Wohnungsgenossenschaft zu gründen. In Deutschland existiert eine Marktlücke für zinsfreie Immobilieninvestition. Des Weiteren ist es in Deutschland noch nicht möglich Neubauwohnungen ohne Kreditzinsen zu finanzieren. Wir wollen diese Marklücke schließen und zinsfreien Immobilieninvestition und zinsfreier Immobilienfinanzierung ermöglichen. Unser Produkt hilft denjenigen die eine bezahlbare Wohnung suchen und denjenigen die zinsfrei Ihr Geld gewinnbringend investieren wollen.

ZR: Wie ist das Startup aufgebaut, wer ist daran beteiligt?
Wir sind gerade fünf Leute in Team.

ZR: Was bestrebt das Startup, was sind die Grundintentionen?
Ziel ist es eine Alternative auf den Markt zu bringen, die auf fairen und ethischen Handelsprinzipien basiert und der Gesellschaft einen gesunden und nachhaltigen Nutzen bringt.

ZR: Was für eine Unterstützung wünscht ihr euch von außen?

Investoren: Für die Realisierung von Wohnungen suchen wir noch Investoren. Wir bieten eine attraktive Dividende, wenn Sie bei der ZINWO ihr Geld zinsfrei anlegen. Falls wir Ihr Interesse für dieses neue Konzept wecken konnten, schreiben Sie uns bitte eine kurze E-Mail oder registrieren Sie sich auf dieser Webseite. Über die nächsten Schritte werden wir Sie dann aufklären.

Mitglieder: Die Wohnungsgenossenschaft lebt von Ihren Mitgliedern. Falls Sie sich eine bezahlbare Miete, einen Wohnungskündigungsschutz und/oder eine bezahlbare Eigentumswohnung wünschen, sind Sie mit einer Mitgliedschaft bei der ZINWO gut beraten. Schreiben Sie uns einfach eine kurze E-Mail oder registrieren Sie sich auf dieser Webseite.

Crowdfunding: Um den finanziellen Start der ZINWO zu gewährleisten, starten wir demnächst die ZINWO Crowdfunding Kampagne. Interessierte informieren wir zeitnah über unseren E-Mail Verteiler.

Mitarbeiter: Für eine starke Genossenschaft suchen wir auch starke Mitarbeiter, die bereit sind die ZINWO mit aufzubauen und auf Kurs zu bringen. Weitere Informationen gibt es per E-Mail, kontaktieren Sie uns einfach.

ZR: Was sind die derzeitig wichtigsten Ziele des Startups?
Unser Ziel ist es ein nachhaltiges, skalierbares und replizierbares Modul zu entwickeln, das man weltweit umsetzen kann um ein zinsfreies Wirtschaftssystem zu entwickeln und zu fördern. Unser Konzept steht schon bereit und wir sind der guten Hoffnung, dass in den kommenden Monaten die Genossenschaft gegründet wird.

ZR: Wie siehst du das Startup in 5 Jahren?
2-3 Wohnobjekte mit mehreren Wohneinheiten. ZINWO in anderen Bundesländern und Städten verbreitet.

ZR: Was hast du von der Zahnräder Bundeskonferenz 2015 mitgenommen – für dich als Person und für das Startup im Ganzen?
Wir brauchen neue Impulse, Ideen und Lösung für alle Probleme die uns tagtäglich beschäftigen. Auf der Konferenz findet man viele Personen die genau das machen und die bereit sind große Risiken einzugehen, um für die Gesellschaft etwas Gutes zu tun. Die Konferenz und das positive Feedback haben mich inspiriert weiterzumachen und das Startup voranzubringen.

ZR: Was würdest du anderen Projekten/StartUps mit auf den Weg geben?
Klares Ziel vor Augen haben und nie aufgeben. Das alleine reicht aber nicht. Damit man seine Idee/sein Startup weiterbringen kann, muss man sich mit anderen austauschen und Mitstreiter & Unterstützer finden.

ZR: Was braucht man am dringendsten um den ersten Schritt Richtung eigenes Projekt/Startup zu schaffen? Wie hast du jene Eigenschaft aus dir schöpfen können?
Die sozial Entrepreneurs müssen Lösungen für die gesellschaftlichen Probleme finden. Die Lösungen dürfen aber nicht neue Problem für die Gesellschaft bringen.

ZR: Wenn du das ZINWO in drei Worten beschreiben müsstest, welche wären es?
fair – ethisch – sozial

 

ZR: Wir bedanken uns für das interessante Gespräch!

By |Mittwoch, 20 Januar, 2016|News|0 Comments

Die sozialen Dimensionen muslimischer Feste

Besinnlichkeit, viel Harmonie, etwas Besonnenheit liegen in der Luft. Vorfreude, viel Aufregung, etwas Hektik liegt zwischen den regen Akten der Vorbereitungen. Und Glück, ganz viel Spannung, etwas Hoffnung umgibt die kleinen Köpfe, die sich über die Hände der Erwachsenen beugen und je einen schnellen Kuss auf diesen lassen, um ein kleines Taschengeld einzuheimsen. Es gibt besondere Tage unter Muslimen, Tage, die nicht nur mit ihrer Bedeutung, sondern auch mit der Verbringung dieser herausstechen. Nach einmonatigem Fasten beglückte uns das sogenannte Eid-ul Fitr, das Ramadanfest, und nun beseelt die muslimischen Kreise das Eid-ul Adha, das Opferfest.

Auch im Netzwerk wird an diesen Tagen innegehalten, die Vorzüge und Eigenschaften dieser gedacht, von jedem geteilt und von allen genossen. Besonders an diesen Tagen wird die auch sonst erlebte Einheit, der engumschnürte Zusammenhalt hervorgehoben, durch Aktivitäten und gegenseiten Beglückwünschungen emporgehoben, auf den präsenten Netzwerksockel. Ramadan verlief mit dem Bündel an gemeinsamen Iftaren in verschiedenen Städten auf eine ganz spezielle und erinnerungsträchtige Weise. Um unterschiedlichen Tischen saßen unterschiedliche Zahnräder in völlig unterschiedlichen Orten, rund um Deutschland versprühte das Netzwerk seinen Teamgeist, seinen Kern des sozialen Miteinanders. Und auch am Ramadanfest war die große Festlichkeit über das Netzwerkonstrukt gelegt, jeder beglückwünschte jeden, jeder freute sich wie der andere.

Eid ist mehr als ein Tag zwischen emsigen Gratulationen vor Moscheen, tobenden Kindern in Haushalten. Es ist mehr als die süßlich duftenden Gerüche in den Wohnungen oder die zahllose Ladung an Schuhen der Besucher vor der Haustür. Das Wesensmerkmal dieser Tage ist das Gefühl der Einheit, der Fokus auf diesem und die gebührende Auslebung von Seiten der Muslime. Es stärkt das zwischenmenschliche Verbundenheitsgefühl enorm, die soziale Ader eines jeden pocht auf an diesen Tagen, an diesem Tag. In unermüdlichem Takt.

Nicht nur, dass Eid unter Muslimen das Gefühl einer gemeinsam gelebten Freude schafft, auch das dringende Bedürfnis jene Freude mit nicht gemeinen Gemütern zu teilen regt sich und lässt an Nachbarstüren klopfen, um Teller befüllt mit traditionellem Baklava, nur eine Art der unzähligen Süßspeisen an Eid, oder deftigem Essen mit einem überschwänglichem Lächeln zu übergeben. Eid ist eine konstante Erinnerung an die so manche Zeit zu schwinden scheinenden sozialen Prägungen unserer Gesellschaft. Tage, die auf Gemeinnützigkeit deuten, auf verblasste Handlungen wie das selbstverständliche Zulächeln und Beglückwünschen von zwei Fremden oder das harmonische Beisammensitzen, vermengt mit reellen, ehrlichen Gesprächen, fernab von technokratisch bedingten Screenshotbeschüssen und Selfiewellen. Besonders in einem sozial konnotierten Netzwerk, wie der unserem, sind solche Tage gelebte Reminder. Um dieser Auslebung gerecht zu werden, bedarf es nichts weiter als Authentizität und Offenheit innerhalb der Kommunikation, Besonnenheit und Rücksicht innerhalb der Handlungen mit-und untereinander. Und dies erlebten wir sowohl im gesamten Ramadan, wie im darauffolgenden Fest, als auch heute, am Opferfest.

Erneut durchleben wir all die wunderschön verbindenden Gefühle, die gemeinsamen Emotionen, die dieser mit Familie und Freunden bepackte Tag in allen Ecken Deutschlands versprühen lässt. Als das Zahnräder Netzwerk sind wir neben der festlichen Stimmung, auch dem sozialen Pushpotenzial des Eid bewusst und weisen mit Elan und Nachdruck auf dieses hin. Lasst uns den Eid nicht um unser, sondern um unser aller Willen verbringen. Um der gemeinschaftlichen Symbolik nicht nur nachzusinnen, sondern nachzuahmen.

Wir wünschen Euch, jedem Einzelnen da draußen, ein wunderschönes und gesegnetes Opferfest. Auf dass uns die besonders heute spürbare Einheit nie verlässt.

 

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 Ein gelungenes Iftaressen von vielen: ZahnräderX Hessen

By |Donnerstag, 24 September, 2015|News|0 Comments

Mensch Westend! – redaktionelles Großecho in Multitönen

Direkt in Hessen und mitten in Wiesbaden liegt die multikulturelle Bezirksperle Deutschlands. Wiesbaden-Westend wird als eines der kleinsten Bezirke der hessischen Landeshauptstadt und gleichzeitig bevölkerungsdichtesten Stadtteile in Gesamtdeutschland verzeichnet. Über dem Bezirk scheint ein buntscheckiger Hauch zu liegen. Zwischen den international geprägten Ladenzeilen bewegen sich Menschen multinationalen Flairs. Die Fassaden Westends bergen verschiedenste Nationalitäten in sich, der Ausländeranteil des Bezirks beträgt um die 31%. Entgegen der etablierten Assoziation von Begriffen wie ausländerbesiedelt und kriminell-unruhig glänzt die multikulturelle Nische Wiesbadens mit einem idyllischen Gesellschaftsleben, wie sie für viele andere Ortsteile des Landes erstrebenswert ist. Der Flickenteppich Westends ist vielschichtig und mannigfaltig – auf ihr ruht etwas vom Balkan, ein wenig Osteuropa, ein großes Stück Deutschland. Und türkische und arabische Elemente verpassen dem Ganzen den passenden Orientstich. Der größte Anteil an Wiesbadens Studenten und Ausländern wohnt in Westend – dort leben sie ein friedliches und gleichermaßen farbenprächtiges Miteinander vor; ein schillerndes und doch in sich ruhendes Stück an hessischer Gemeinschaft.

Dass solch ein öffentliches Leben, geprägt und getönt durch gemischte kulturelle Strömungen viel zu spannend ist, als dass man es an sich vorbeiziehen lassen kann, ist wohl auch einer der Grundantriebe von Erdal Aslan gewesen, dem Redaktionsleiter der Stadtteilzeitung „Mensch!Westend“. Mit journalistischem Handwerk, seriöser Redaktionsführung auf der einen und frischem und modernem Anflug an leuchtender Vielfalt auf der anderen Seite schafft die Redaktion von Mensch!Westend einen plakativen Gegensatz zu der klassischen Lokalzeitung. Die Themenschwerpunkte schwimmen im selben lebhaften Spektrum, wie die Mentalität der Bewohnerschaft des gleichnamigen Ortes auch. Mal geht es um lokale Neuigkeiten rund um den Ort, mal um überregionale und internationale Geschehnisse, die vor allem aus politischem und soziokulturellem Aspekt sehr tiefgreifend sind. So berichtet beispielsweise eine Wiesbadener Bosniakin von ihren leibhaftigen Fluchterlebnissen, wie sie als 12-jähriges Mädchen auf Grund des Bosnienkrieges ihre Heimat verlassen musste. Auch der redaktionelle Leiter von Mensch!Westend Aslan greift selbst zum Stift und berichtet mit geballter Authentizität und Offenheit von den verschiedenen Zügen des muslimischen Fastenmonats Ramadan. In der Kolumnenecke meldet sich auch der Integrationsbeauftragte von Westend, Mustafa Akbulut zu Wort und gewährt Lesern einen kleinen und doch äußerst anregenden Einblick in die Wellritzstraße, die sich wohl durch die in den Gewürz-und Schmucksortiments auf den Straßen festgesetzte Atmosphäre der Türkei als das „kleine Istanbul“ Wiesbadens etabliert habe. Ein Klick entfernt lädt die Stadtteilmanagerin Ute Ledwoyt vom Kubis e.V. die Wiesbaden-Westendler zu einer langjährigen und traditionellen Verastaltungsreihe des Ortes ein.

Mensch!Westend schreibt viel und Mensch!Westend schreibt bunt. Es lässt zur Abwechslung mal die Reihe der Bürger sprechen, in verschiedenen Akzenten bildet sich ein klares Echo. Und es ruft, dass es gut ist, wie das Multikulti diesen Ort prägt und zu etwas ganz Eigenem formt. Eine im Takt der bunten Vielfalt aus der konventionellen Reihe tanzende Welt, so packend, dass sie Spuren hinterlässt und doch so friedlich, dass sie dabei nichts und niemanden anrempelt. Eine Stadtteilzeitung lässt all die Schönheiten von Diversität in Worte prasseln und leistet so eine unglaublich große Arbeit in einem doch so unglaublich kleinen Bezirk.

 

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Wir gratulieren M!W herzlichst zum 3.Platz in der Kategorie Veterans!

 

Text: Büşra Delikaya                                                                                                        Bild: © Mâşite Atik

 

By |Sonntag, 9 August, 2015|News|0 Comments

Die grüne Banane mit den Sternpantoffeln – Kinder im Umgang mit Medien

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Zappelige Hände, die eine womöglich unbeholfen einen angekauten Lolli oder eine klebrige Waffeltüte mit geschmolzenem Schokoeis haltend, die andere hingegen völlig griffig das für sie viel zu groß scheinende Smartphone umklammernd und mit den bekleckerten, aber zielsicheren Fingern gekonnt über den Touchscreen streichend.

Ein Schauspiel, das uns in den letzten Jahren im Alltag immer häufiger geboten wird; ob nun auf der Straße, in der Bahn oder auf Empirie basierende Beobachtungen im eigenen Heim. Ja, die Kleinsten unter uns sind nunmehr die Größten in puncto virtueller Kompetenz. Unbeirrt stolzieren Kinder der neuen Generation mit entschlossenen, kleinen Schritten in der digitalen Welt umher, leben ihren Entdeckergeist fleißig vor den leuchtenden Monitoren und transportablen Screens aus. Entgegen aller verschworenen Internetfeindseligkeit einer Vielzahl von Eltern, die von der Angst über den zunehmenden Kontrollverlust ihrer Kinder im Umgang mit der Cyberwelt geleitet, oftmals einen endgültigen Schlussstrich ziehen und Einschränkungen bis hin zu Verboten auftischen, sollte man doch bedenken: Das Internet hält viel Nützliches, ja sogar Bereicherndes für den Nachwuchs bereit. Neben interaktiven Spielen, die den Wissenserwerb der Kinder auf eine lockere Weise fördern, verweilen auch pädagogisch äußerst wertvolle Foren und Bildungsseiten im World Wide Web. Diese, am besten mit den Kleinen zusammen, ausfindig zu machen und sie ihnen als alternative Freizeitbeschäftigung vorzulegen, obliegt vor allem den Eltern und Lehrern selbst.

Doch die Kehrseite des Internets ist tatsächlich zu groß, als dass sie ignoriert oder in ihrer Gefahr kollektiv gemildert werden darf. Sie sind in jedem Fall da; schlechte Intentionen, die zwischen den Spieleseiten und Bildungsforen dämmern, ganz leicht von der kindlichen Naivität Gebrauch machen und sie auf eine negative Weise beeinflussen können. Die Palette ist leider breitgefächert: Versteckte Pädophilie, beängstigende Gewaltverherrlichung, fälschlicherweise religiös motivierte Radikalisierungsversuche, anstößige Werbeanzeigen.  Manchmal sogar gezieltes, leibhaftiges Cybermobbing. Alles Bedrohungen, über die Eltern ungern nachdenken, wo doch ihre realen Züge nur einige Klicks von ihren Kindern entfernt sind. Solche Gefahren bedarf es aufzugreifen statt auszublenden, es gilt sie in den Bereich der Aufklärung zu ziehen statt in Ignoranz einzubetten.
Wer sich im Internet auf die Suche nach solchen präventiv gerichteten Arbeiten macht, wird nach einer Weile sehr wahrscheinlich auf eine lustige, grüne Banane – oder einen Halbmond, alles eine Sache der Interpretation – mit kleinen Sternchen an den Füßen stoßen, die einem fröhlich vom Monitor entgegenlacht. Die Plattform „grünebanane“ bietet Familien unzählige Materialien für das effektive Spielen, Lernen und Basteln des Nachwuchses an. So wird den Kleinen zum Beispiel der heilige Fastenmonat Ramadan, in dem wir uns nun befinden, auf spielerische Weise durch bunte Kalender oder originelle Geschenkideen näher gebracht. Ein überaus wichtiges Projekt des grünebanane-Teams heißt „Kinder und Medien – Das sollten Eltern wissen“ und wurde in unserer diesjährigen Bundeskonferenz vorgestellt.

Das Projekt dient zum Aufbau eines Medienmentorennetzwerkes. Dieses soll vor allem muslimische Eltern in ihrem Wissen über einen sicheren Umgang ihrer Kinder mit dem Internet, aber auch mit Spielekonsolen und Computern im Allgemeinen festigen und mit geballter Kompetenz bei den Schritten auf diesem relativ schwierigen Bereich unterstützen. Die Umsetzung dieser Hilfeleistung erfolgt dann durch professionelle Tipps wie zB Hinweise auf Geräte, die für die Kinder wirklich altersgerecht sind oder jegliche Form von nicht erwünschten Inhalten blockierende Softwares.

In vertraulicher Runde sollen all die Fragen und Antworten der Eltern bezüglich der schon lange präsenten Kinderseite des vielschichtigen Medienkomplexes Platz finden. Denn nur zu oft werden Kinder unbeobachtet zwischen die schwammigen Cybergrenzen gesetzt, und das ohne ein wirkliches Absichern dieser. Das Internet ist de facto Segen und Fluch zugleich. Dass Erwachsene beides zu spüren bekommen, sollte sie nicht davon abhalten letzteres den kleinen Surfern zu ersparen und sie ausschließlich mit den guten Seiten des Webs vertraut zu machen. Die grüne Banane ist für uns fast schon ein Emblem für die Verbindung von Spaß und Sicherheit im Netz der Kinder, dafür und für das außerordentlich bedeutsame Projekt danken wir grünebanane und beglückwünschen sie herzlich zum 2.Platz in der Kategorie Rookie.

Text: Büşra Delikaya                                                                                                                     Bild: © Tasnim Baghdadi

 

By |Montag, 29 Juni, 2015|News|0 Comments

„dialogRaum“ – Münchner Moscheen unter engagierter Lupe

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Der Tag eilt betriebsam an einem vorbei, die fliegende Zeit auf dem Nacken spürend, versucht man völlig gehetzt dem Alltagstrott hinterherzukommen.

Der Arbeitsplatz, die Vorlesung, der nächste Termin – sie geben den Takt an und wir schwimmen gehorsam mit dem leitenden Strom der Monotonie gen Verpflichtungen. Ein Blick auf die Uhr, oder in postmodernem Muslimsein auf die entsprechende App, erinnert an die letzten 55 Minuten des Mittagsgebetes und die regen Überlegungen nach der nächsten Moschee setzen sofort an. Die Hektik des Tages soll nun für einen kurzen Augenblick in tiefen Rukus und langen Sujoods ausharren, das schnelle Leben in einem langsam verstreichenden Moment zwischen Seele und Schöpfer für einige Minuten getilgt werden. Mit hastigen Bewegungen tippen die auf Google irrenden Finger und die Augen scannen beim Laufen diverse Hinweise auf eine Moschee zwischen all den Einfahrten und den beengten Gassen ab. Der Blick bleibt ohne Ergebnis erneut auf der Uhr haften. Minarette? Sicher nicht. Kuppel? Vergebens.

Diese Situation legt erneut dar: Der klassische Typus einer Moschee schwenkt immer in lokaler Abhängigkeit. Denn nicht alle Moscheen gleichen einem Kul-Scharif oder einer Sultan-Ahmet, entsprechen eben nicht immer dem Bild eines riesigen Konstruktes, beschmückt mit zwei emporragenden Minaretten und versehen mit einer gewölbten Kuppel. Es ist nicht allerorts als Gebäude präsent, dessen abweichender Flair in der Luft seiner weiten Umgebung hängt und der zwischen all den anderen graulastigen Häusern jedem Passanten unmittelbar ins Auge sticht. Viele Gebetshäuser der Muslime sind in Deutschland nicht sofort als solche erkennbar. Oder eben benennbar. Ersteres liegt häufig an mangelndem Platz oder finanziellen Mittel, aber auch an nicht erlangbaren staatlichen Baugenehmigungen. Letzteres oft an uns Muslimen. Ein festgefahrenes Gemeindeschema in Moscheen ist ein langwieriges und leider auch beständiges Phänomen in Deutschland. Sich an eine bestimmte Moschee stärker zu integrieren, in die jeweilige Arbeit öfter zu involvieren ist keineswegs zu verurteilen, nein, viel eher lobenswert. Doch oft läuft man nach einiger Zeit Gefahr, das eigene Moscheespektrum verkümmern zu lassen und vergisst, an andere Masjidtüren zu klopfen. Viele ohnehin unscheinbare Gebetsorte werden vergessen, nicht mehr allzu häufig besucht. Die Muslime selbst teilen sich in kompakte Gemeinden auf, doch vermischen sich zu selten. Wir vergessen unsere eigenen Moscheen, beanspruchen sie nicht, lassen sie neben den Augen nun auch aus dem Gedächtnis verstreichen.

Diesem Problem nahmen sich eine Gruppe von jungen Engagierten in München an, gingen wortwörtlich auf aktive Spurensuche. Die Ziele waren unter anderem all jene Hinterhofmoscheen, deren meist wunderschön verzierte Teppichflächen und ansehnlichen Mihrabs (Gebetsnischen) hinter gleichförmigen Eingangstoren und kahlen Bebauungen zu schwinden schienen. Der Name ist bei der Gruppe, bestehend aus 14 Jungen und Mädchen, die unter der Leitung zweier engagierter Erzieherinnen und Studentinnen stehen, Programm.

Denn ihr Projekt „dialogRAUM“ entstaubt unentdeckte Moscheeräume mit belebter Präsenz und schafft in diesen einen laufenden Dialog, auch ohne Worte. Die Unterschiede, die sie während den dutzenden Moscheegängen wahrnahmen, sprachen in allen Tönen für Vielfalt in friedlicher Einheit. Als Muslim bemerkt man durch den permanent angesetzten Fokus auf das „Multikulti“ zwischen einem selbst und den nicht-muslimischen Mitbürgern oft nicht die ungemein große Diversität in den eigenen Reihen, lässt sie unberührt stehen  und versucht leider zu selten eine einzigartige Zusammengehörigkeit daraus zu formen. Das Projekt dialogRaum ging Schritte für genau diese Ziele in gekonnter und mit durchdachter Professionalität. Durch aufwändige Recherchen und zahllosen Telefonaten stellten die jungen Muslime im Alter von 13 bis 16 fest, dass viele Münchner Moscheen nicht ausreichend verzeichnet waren. So suchten und fanden sie mit Hilfe von Bekannten all die großen und kleinen Moscheen, bekannten und inkognito Gebetsräume, türkischen oder tunesischen Gemeinden.

Von dem namhaften Masjid in aller Munde bis hin zum kleinen Gebetsraum im Hinterbereich eines Restaurants – alle nur erdenklichen Plätze für ruhige Minuten der Gebetsverrichtung wurden gesammelt und festgehalten. In einem übersichtlich gestalteten Heftchen veranschaulichen sie alle Gebetsräume in jeglichen Formen mit Namen und Adresse. Quasi ein Moscheeführer to go. Auf der gleichnamigen Internetseite kreierten die Jugendlichen mit ihren Leitern Zeinab und Claire zusätzlich eine virtuelle Moschee-Map. Der visuell ausgeschmückte Umriss Münchens ist mit verschiedenen Farben in die fünf Stadtbereiche gegliedert. Mit einem Klick öffnet sich das jeweilige Stadtnetz und Standortmarkierer blinken einem punktuell getreu entgegen. Nun sind all die Gebetsmöglichkeiten mit detaillierter Adresse in portabler Weise aufgelistet. So viel ist sicher: Die zu Beginn beschriebene Situation würde sich mit Hilfe dieses praktischen Gadgets zu einem guten Ende wenden, das Mittagsgebet durch das Heftchen im Rucksack oder der im digitalen Lesezeichen gespeicherten dialogRaum Website auf dem Smartphone, in der nächstliegenden Moschee in Ruhe verrichtet werden. Eine praktische Problemlösung für plötzliche Orientierungslosigkeit.

Die dialogRaum Gruppe nahm Unmengen an jahrelanger Arbeit und großer Mühe auf sich, um eine immense Erleichterung für ihre muslimischen Geschwister zu ermöglichen. Dafür haben sie mindestens einen noch aufgeschlosserenen, noch verschmolzeneren Geist der islamischen Community in München und ganz Deutschland verdient, um so die Aufgeschlossenheit und Friedfertigkeit des Islam gebührend repräsentieren zu können – fernab von enggestrickten Gemeindeverhältnissen nach nationalen Separationen. Und ebenso unseren 2. Platz in der Kategorie Veterans für ihr unsägliches Engagement und diese kreative Projektidee mit ausgezeichneter Umsetzung.

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Text: Büşra Delikaya                                                                                                                                                                               Bilder: © Tasnim Baghdadi, Mâşite Atik

By |Sonntag, 21 Juni, 2015|News|0 Comments