Wir blicken auf ein ereignisvolles Jahr 2018 zurück, in der das Thema Nachhaltigkeit die Zielgröße in der Gestaltung unserer Netzwerkarbeit darstellte.

Vom 14.-16.09.2018 fand die diesjährige Zahnräder Konferenz statt, die nun schon seit 2010 fast regelmäßig den jährlichen Höhepunkt der Zahnräder Arbeit darstellt. Unter dem Motto „Zahnräder meets #17Ziele“ haben wir dieses Jahr in Kooperation mit dem Projekt #17Ziele von Engagement Global mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) uns mit den „Sustainable Development Goals“ (SDGs) der Vereinten Nationen auseinandergesetzt und so ein Bewusstsein für die Komplexität von Nachhaltigkeit entwickelt.

Auch die Zahnräder Arbeit konstituiert auf dem Prinzip des nachhaltigen Unternehmertums, wodurch wirtschaftliche Chancen und Geschäftsmodelle mit Zukunft für globale Herausforderungen entstehen sollen und dabei sowohl gesamtgesellschaftliches als auch innenmuslimisches Zusammenleben bereichern sollen.

Die 17 SDGs mit 169 Unterzielen ersetzten die „Millenium Development Goals“ (MDGs), die von 2000 bis 2015 als Maxime der globalen Verantwortungsgemeinschaft wirkten.[1] Stellt der Übergang von den SDGs zu den MDGs lediglich eine Wortklauberei dar oder wirkte er auch inhaltlich und operational?

Der Nachhaltigkeitsexperte Professor Stefan Schaltegger sieht starke parallelen zwischen dem alten und dem neuen Konzept: Viele der MDGs sind auch in den SDGs erhalten. Manche Themen wurden zusammengefasst und manch andere wurden aufgesplittert, sind spezifischer geworden und haben dadurch eine Operationalisierung erfahren. „Themen wie beispielsweise Armut und Hunger waren Ziel Nr. 1 bei den MDGs und sind jetzt aufgesplittet worden in Ziel Nr. 1 und Ziel Nr. 2 bei den SDGs, wobei bei Ziel Nr. 2 dann nicht nur Hunger steht, sondern auch „Food Security“ und „Improve Nutrition and Promote Sustainable Agriculture“. Und es kommen neue Ziele dazu, wie beispielsweise „Ensure Access to affordable, reliable sustainable and modern Energy”.

Insgesamt ist eine Restrukturierung der ehemaligen Ziele erfolgt. Ein ganz wesentlicher Unterschied ist, dass mit den SDGs jetzt auch die Industrie- und OECD-Staaten Teil der Entwicklungsziele sind, also auf eine gewisse Art jeder Staat ein Entwicklungsland ist.

 

Als Teil der Agenda haben wir muslimische Deutsche uns mit folgenden 6 Unterpunkten der Agenda näher auseinandergesetzt und eigene Projektideen zur nachhaltigen Lösung gesellschaftlicher Probleme entwickelt:

#4 Hochwertige Bildung – Inklusive, gerechte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern

#5 Geschlechter-Gleichheit – Geschlechtergerechtigkeit und Selbstbestimmung für alle Frauen und Mädchen erreichen

#10 Weniger Ungleichheiten – Ungleichheit innerhalb von und zwischen Staaten verringern

#11 Nachhaltige Städte und Gemeinden – Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig machen

#12 Nachhaltiger Konsum und Produktion – Für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sorgen

#16 Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen – Friedliche und inklusive Gesellschaften im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und effektive, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen

 

Nachdem wir am Freitag ein kleines Kennenlernen unter den fast 100 Konferenz-TeilnehmerInnen hatten, bekamen wir im Anschluss ein Impulsvortrags von Engagement Global über die #17Ziele vorgetragen. Den Abend ließen wir mit einer inspirierenden Geschäftsidee von Ahmed Amarouch, dem Co-Gründer von Sharewater ausklingen. Sein Unternehmen verkauft natriumarmes Quellwasser, verpackt in ökologisch vorteilhafter Verpackung aus FSC zertifizierten Papierkarton. Die Erlöse werden in Wasserprojekte investiert, um Menschen in Entwicklungsländern den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen. Die Käufer können anhand eines QR-Codes auf der Verpackung den Projektfortschritt mitverfolgen und sind somit im Geschehen sowohl finanziell, als auch als Zuschauer involviert. Unterstützt wird sein Projekt von der University of Oxford.

 

Am Samstag bekamen wir eine Einführung in die Design Thinking Methode.

Mit der renommierten Innovationsberaterin Mela Chu und ihrem Team von Blckswn arbeiteten wir anhand der Design Thinking Methode kreativ und interaktiv Lösungen für die #17Ziele heraus.

Dabei lernten wir die fünf Phasen im Design Thinking Prozess kennen:

  • Verstehen: Wir beginnen damit, den Nutzer und Kunden zu erkennen und die Problemstellung bzw. seine Bedürfnisse zu verstehen und die Rahmenbedingungen der Ausgangsfrage zu erörtern.
  • Beobachten: Hier bauen wir Empathie zum Nutzer/Kunden auf und kommen in direktem Kontakt zu ihm. Dazu können z.B. Interviews geführt werden, Personas und Costumer-Journey-Mappings erstellt werden
  • Idee finden: In dieser Phase finden wir Lösungsiden für die hypothetischen Probleme und Bedürfnisse des Nutzer/Kunden (Persona). Wir verwenden verschiedene Kreativitätstechniken, um unsere Kreativität zu erhöhen und möglichst viele Ideen zu generieren.
  • Machen: Jetzt setzen wir unsere Ideen um und kommen ins Handeln, wir bauen einen Prototypen. Wir denken mit den Händen. Ein Prototyp ist unser visualisiertes Konzept, um unsere Annahmen un der nächsten Phase zu hinterfragen und zu validieren.
  • Testen: In dieser Phase bekommen wir wichtige Lernerfahrungen durch Feedback unserer Nutzer/ Kunden, indem wir unseren Prototypen testen. Die Ergebnisse geben uns die Entscheidungsgrundlage für die nächste Iteration, die nächsten Schritte.

Im Plenum stellten wir uns unsere Projektideen im Rahmen eines Speed-Pitching Sessions gegenseitig vor, um danach mittels eines Online-Evaluationsbogens Verbesserungsvorschläge für den letzten Schliff zu geben. Um einige Projektideen zu benennen:

1) Die App „amal“ soll dem Ehepartner, der sich alleinig mit der Hausarbeit beschäftigt und bisher unbezahlter und dennoch körperlich belastender und zeitintensiver Arbeit hingab die Möglichkeit bieten, mittels eines Punktesystems den Wert der Arbeit zu quantifizieren, um eine Ausgleichszahlung zu ermöglichen.

2) Das „Women of the World“ Festival soll öffentlich unterrepräsentierten Frauen im Kunstsektor, aus unter anderem marginalisierten Bevölkerungsgruppen die Möglichkeit geben, ihren fruchtbaren Hintergrund in den Vordergrund zu Rücken und im Bereich der Literatur, Mode, Fotografie, Handwerk, Schauspiel, Tanz zum Vorschein zu treten.

3) Die App „TransFAIRence“ soll ArbeiterInnen aus den sogenannten Entwicklungsländern die Möglichkeit geben, ihre Arbeitsbedingungen zu bewerten, und Label zu skandalisieren, um in der Produktionskette für mehr Transparenz zu sorgen und den Käufer zu einem bewussteren Einkauf zu lenken.

4) Auch eine neue Stadt namens „Neubadwildbad“ wurde konzipiert, um aufzuzeigen, dass Werte der Ökonomie, Ökologie, Stadtinfrastruktur trotz gegebener Zielkonflikte gemeinsam harmonisieren können.

5) Eine App soll PKW FahrerInnen dazu motivieren, zu alternativen Transportmöglichkeiten zuzugreifen. Öffentliche Verkehrsmittel, spontane Fahrgemeinschaften, und Leihfahrräder sollen unter dieser App subsummiert werden.

6) Bildung erscheint als signifikantester Vehikel, um nachhaltige Veränderungen zu ermöglichen. Projekte, wie „school gardening“, Nachhaltigkeitsvideos von „öko-fresh“, Interreligiöser Unterricht, eine Medienplattform für LehrerInnen zu interdisziplinären Themen, wie globaler Frieden, Umgang mit Medien, sollen den SchülerInnen einen allumfassenderen Blick über den Tellerrand ganz im Sinne des Humboldschen Bildungsanspruches ermöglichen.

Nach dem anstrengenden, aber ertragreichen Gedankenwirbel ließen wir uns am Abend von

Salem El-Mogaddedi und Gernot Würtenberger, die Gründer von Conflict Food, inspirieren.

Conflicfood ist eine Emergenz aus Unternehmertum und sozialem Engagement. Nachdem Salem und Gernot 2015 einen Einblick in ein NGO Projekt in Afghanistan bekamen, sind sie auf tatkräftige Frauen gestoßen, die das kostbarste Gewürz Safran anbauten und vertrieben. So kostbar das Gewürz auch ist, umso wertvoller waren die Geschichten dieser Frauen, die inmitten eines konfligierenden Landes auf ihren eigenen Beinen standen und die Erkenntniss, dass Krisenländer mehr Land als nur Krise sind. Ziel war es also, landesspezifische Lebensmittel für Absatzmärkte zu öffnen, das Essen als Medium nutzen, um Geschichten über das Land und die Leute zu vermitteln fairen und nachhaltigen Anbau zu fördern und teilweise Geld in Bildungsprojekte rückzufinanzieren. Erkenntnisreich war vor allem das Zitat von Salem: „Konsum evoziert Konflikte. Konsum ist immer politisch und hat immense, teils katastrophale Auswirkungen auf Menschen.“

Auf die Frage, wieso die Produkte teuerer sind, als herkömmliche Produkte aus dem Discounter, antwortet Salem treffsicher: „Die Frage ist nicht, warum ist euer Produkt so teuer, sondern warum sind andere so billig. Die Differenz geht nämlich auf Kosten von ArbeiterInnen und Umwelt.“

Doch was lernen wir organisatorisch aus diesem Projekt? Ein soziales Unternehmertun zu etablieren braucht einen langen Atem. Beispielsweise entstehen in Myanmar durch das Klimaphänomen El Niño niederschlagsarme Küstenregionen und Dürren[2], wodurch die Ernte mal ganz ausfallen kann. Sowohl die Finanzierung, als auch der Kontakt, in diesem Fall mit transnationalen Krisenregionen, Sprachbarriere, Etablierung auf dem autochthon konventionellen Markt sind Prozesse, die starke Überzeugungsarbeit benötigen und auch mal scheitern können.

Nach all dem reichhaltigen Input kam am Samstagabend unter den TeilnehmerInnen eine spannende Diskussion auf: Wieso betrachten wir SDGs und Islam wie zwei antagonistische Zielfunktionen? Sind die SDGs nicht inhärenter Bestandteil des islamischen Lebenskonzepts? Legen der Quran, die Sunnah und die islamische Denktradition Grundbausteine für ein nachhaltiges Leben?

Die TeilnehmerInnen waren sich vollends einig: selbstverständlich! Die Spiritualität ist auch Treiber für Innovation und nachhaltige Entwicklung innerhalb des Netzwerks und verbindet fast alle Zahnräder miteinander. Um die islamische Perspektive auf den Nachhaltigkeitsbegriff zu erläutern, müssen wir zunächst einmal den Begriff „Sustainable Development“ aufdecken: „Das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung hat eine Entwicklung zum Ziel, die ökologisch verträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich leistungsfähig ist“[3]

Der islamische Theologe und Mystiker Imam Al- Ghazali (1058-1111) war nach Anas Mustafa Zarqa (1980) der erste muslimische Gelehrte, der ein Konzept des individuellen Wohlstands und sozialen Gemeinwohls aufstellte und dabei Indikatoren festlegte, wie Religion (din), Seele (nafs), iIntellekt (aql), Familie und Nachkommenschaft (nasl) and Eigentum (mal).[4]

Wie diese Indikatoren im islamischen Sinne bereichert werden, können wir dem Koran und der Sunnah (Lebenspraxis des Propheten (Friede und Segen seien auf Ihm)) entnehmen:

Schon der erste Vers, der dem Propheten Muhammad (Friede und Segen seien auf Ihm) herabgesandt wurde, ist an den SDGs andockbar:

SDG #4 Hochwertige Bildung: Im ersten Koranvers „Lies im Namen deines Herrn, Der erschaffen hat“ (96:1) ruft Er swt. zur Bildung und zum Erkenntnisgewinn auf.

Im Koran wird den Menschen befohlen, zu lernen und nachzuforschen:  „… und wenn ihr es nicht wisst, so fragt diejenigen, die wissen.“ (21:7)

Und letztlich stellt er Wissenden und Nichtwissenden gegenüber und ruft dadurch zum Wissenserwerb auf: „Können denn diejenigen, die wissen und die nicht wissen, einander gleich sein?“ (39:9)

In einem Hadith gleicht der Aufruf sogar einer Verpflichtung: „Der Erwerb von Wissen(schaft) ist Pflicht für jede Muslimin und jeden Muslim“ (Ibn Madscha, al-Muqaddima, 17)

SDG #16 Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen: Der Prophet (Friede und Segen seien auf Ihm) wurde für die Rechtleitung der Menschen, für die Etablierung einer sicheren und kohärenten Gesellschaft gesandt, daher nannten ihn die Mekkaner „Muhammed’ul-Emin“, der „vertrauenswürdige Mohammed“. Auch folgende Koranverse positionieren sich für ein friedliches Zusammenleben: „Wenn jemand einen Menschen tötet, so ist es, als habe er die ganze Menschheit getötet! Und wer einem Menschen das Leben rettet, so ist es, als habe er die ganze Menschheit gerettet!“ (5:32)

SDG #5 Geschlechtergleichstellung: Die Wertigkeit des Menschen bei Gott hängt nicht vom Geschlecht, sonder von den rechten Taten ab: „O ihr Menschen, Wir haben euch ja von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Gewiß, der Geehrteste von euch bei Allah ist der Gottesfürchtigste von euch. Gewiß, Allah ist Allwissend und Allkundig.“ (49:13)

SDG #10 Weniger Ungleichheiten: Das islamische Wirtschaftssystem, sowie ökonomische Verpflichtungen an das Individuum im Islam sollen finanzielle Ungleichheiten eliminieren.

Das islamische Banking baut auf folgenden Prinzipien auf:

„„Riba“, „Gharar“ und „Maysir“ heißen die größten Sünden, Zins, Spekulation und Glücksspiel. Das Zinsverbot ist die populärste Idee. Dass Geld aus sich heraus wächst, ohne dass eine Ware gehandelt wird, schien dem Propheten frevelhaft. Einem Hauskäufer etwa leiht eine Islambank daher nicht die benötigten Mittel, vielmehr erwirbt sie selbst das Haus und veräußert es zu einem höheren Preis zurück an den Kunden.“[5]

„Und auch auf Investitionen in Unternehmen, die nicht mit den ethischen Grundsätzen des Islam vereinbar sind, soll verzichtet werden. Dazu gehören hoch verschuldete Unternehmen sowie solche, die u. a. in Bereichen wie der Rüstungs-, Tabak-, Porno- oder Alkoholindustrie sowie in der Verarbeitung von Schweinefleisch und dem Handel damit tätig sind.“[6]

Dieses wartebasiertes Wirtschaftssystem trägt zu einer Kohärenz zwischen Wirtschaft und Gesellschaft bei, sodass Ungleichheit nicht als ökonomischer Nebeneffekt enthumanisiert, sondern zur Stärkung der Gesellschaft aktiv eliminiert werden soll.

Die islamische Finanzierung trägt aufgrund der Risikominderung zur Finanzstabilität bei und ermöglicht eine solide Beziehung zwischen dem Finanzsektor und der Realwirtschaft, wodurch Innovationspotentiale erwachsen und Nachhaltigkeit in der Entwicklung gefördert wird.

Zu den fünf Säulen des Islam gehört des Weiteres die Almosengabe (zakat), wodurch ein Umverteilungsmechanismus etabliert wird. Geboten werden zudem freiwillige Spenden, wie infaq, shadaqah, hibah und hadiah.

SDG #12 Nachhaltiger Konsum und Produktion – Die bescheidene Lebensweise des Propheten (Friede und Segen seien auf Ihm) zeigte sich in seinem wenigen Essen, sodass er seinen Magen nicht überfüllte, seinen wenigen Klamotten und darin, dass er seinen Gegenständen Namen zuwies und sie sorgfältig pflegte. Nach dem Tod des Propheten (Friede und Segen seien auf Ihm) wurde seine Frau Aisha (a.s.) zum Gastmahl eingeladen, wobei ein paar Gerichte auf dem Tisch serviert wurden. Sie brach in Tränen aus, weil der Prophet zu seiner Lebenszeit nie eine solch reichhaltige Auswahl hatte. Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass er nicht verschwenderisch und übermütig mit den Gaben Gottes umging. Und vor allem dafür, dass er die Besitztümer nicht lediglich als Eigentum, sondern als Gaben Gottes verstand.

„Im Koran wird in 23 Versen ((Sure Bakara, 2:57, 172, 267; Sure Nisâ 4:160; Sure Mâida, 5:4-5, 87; Sure Arâf, 7:32, 157, 160; Sure Anfâl, 8:26; Sure Yunûs, 10:93; Sure Nahl, 16:72; Sure Isrâ, 17:70, Sure Tâhâ, 20:81; Sure Mu’minûn, 23:51; Sure Nûr, 24:26; Sure Gâfir, 40:64; Sure Dschâsiya, 45:16; Sure Ahkâf, 45:20)) darauf hingewiesen, dass  Lebensmittel „tayyib“ (sauber) und in fünf weiteren Versen, dass sie „halal und tayyib“ ((Sure Bakara, 2:168; Sure Mâida, 5:88; Sure Anfâl, 8:69; Sure Nahl, 16:114,116)) sein sollen. (…) Halal (erlaubtes) und sauberes Konsumverhalten zu zeigen wird von den Propheten ((Sure Mu’minûn, 23:51)), den Muslimen ((Sure Bakara, 2:172)), aber auch von Nichtmuslimen ((Sure Bakara, 2:168)) verlangt.“[7]

Dieses Gebot tangiert sowohl die Gesundheit des Menschen, als auch die, des Tieres während der Tierhaltung.

Zusammenfassend wurden viele islamische Fundamente gefunden, die die SDGs auch aus spiritueller Sicht bestärken.

Am nächsten Tag fand ein fast marathonartiges Projekt Hackathon statt. Bereits bestehende Projekte, nicht zu Ende gedachte Projektideen und Projekte in der Gründungsphase wurden von den GründerInnen in kleinen Arbeitsgruppen vorgestellt, bevor sie auf den Markt gebracht werden. Von humanitären Fundraising Projekten, wie bei Islamic Relief, gesellschaftspolitischem Engagement, wie bei Wow. e.V. bis islamischen Kinderspielzeugen, wie bei Dahab Handmade wurde ein vielseitiges Spektrum abgedeckt. TeilnehmerInnen aus unterschiedlichsten akademischen und beruflichen Richtungen unterstützten den Vollendungsprozess mit ihrer ganz eigenen Expertise.

Wie heißt es immer so schön- nach dem Zahnräder Treffen heißt vor dem Zahnräder Treffen. Dementsprechend wurde das intensive Wochenende mit einer „Meet Zahnräder“ Session beendet, bei der wir ganz persönliche Eindrücke über die Zahnräder Arbeit sowohl vom Organisations-Team des diesjährigen Jahresmeetings, als auch vom Vorstand bekamen und zum Mitwirken angespornt wurden. Aus der Netzwerkzusammenarbeit entstandene Freundschaften mit Persönlichkeiten, ihre Inspirationen, Fähigkeiten, die durch Verantwortungen in der Gruppe entwickelt wurden, die Symbiose aus islamischer und autochthoner Wertebasis anhand des Grundgesetzes und die Funktion als sozialer Inkubator zeichneten die Zahnräderarbeit maßgeblich aus.

Den TeilnehmerInnen wurde zudem die Ehre zuteil, die GründerInnen des Netzwerks, Ali Arslan und Kübra Gümüsay anzutreffen und eine organisationstheoretische Perspektive auf die SDGs zu bekommen. Die SDGs zeichnen sich nach Ali Aslan Gümüsay dadurch aus, dass sie multijuristiktional und ganzheitlich sind, sodass der gesamte Globus zur Verantwortungsgemeinschaft gemacht wird. Zur Lösung der SDGs brauche man ineinander wirkende Ansätze, die sowohl top dow, als auch bottom up wirken, also von der lokalen Ebene, bis hin zum transnationalen Global Governance. Da die Grenzen mit der wachsenden Globalisierung auch in den Organisationen fluider werden, müssen Organisationstheorien und diesen inhärente Werte neu gedacht werden: „Denkt eure Projekte so, dass sie andockbar sind. Sie müssen Synapsen haben, um globale Probleme zunächst einmal lokal angehen zu können“

Ein weiteres Zahnräder Jahrestreffen wurde somit mit Erfolg gemeistert und hinterließ spannende, unvollständige Gedanken, die über das Treffen hinaus unseren Veränderungsdrang, unser Bewusstsein und unsere Verantwortung gegenüber unserer Umwelt verschärfen werden.

[1] https://www.umweltdialog.de/de/politik/UN-Entwicklungsziele/2018/Aus-MDGs-werden-die-SDGs-Alter-Wein-in-neuen-Schlaeuchen.php

[2] Odenwald, Michael: „El Niño und La Niña: Das sind die zerstörerischen Folgen“ https://weather.com/de-DE/wissen/wetterlexikon/news/el-nino-und-la-nina-das-sind-die-dramatischen-folgen (abgerufen am 20.12.2018)

[3] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit: „Nachhaltigkeit als Integrationsaufgabe“ https://www.bmu.de/themen/nachhaltigkeit-internationales/nachhaltige-entwicklung/strategie-und-umsetzung/praktizierte-nachhaltigkeit/ (abgerufen am 20.12.2018)

[4] Dariah, Salleh, shafiai: „A New Approach for Sustainable Development Goals in Islamic Perspective“ https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1877042816300611  (abgerufen am 28.12.2018)

[5] https://www.welt.de/politik/ausland/article147700368/Allahs-gescheiterte-Banker.html

[6] https://www.kt-bank.de/islamic-banking/hintergrund/

[7] http://www.islamiq.de/2013/09/30/lebensmittel-halal-und-tayyib/